10 Jahre Stadtarchiv im Hinteren Geleitshaus
Vor fast genau 10 Jahren nahm das Weißenfelser Stadtarchiv seine Arbeit im an der Schlosstreppe gelegenen Hinteren Geleitshaus auf. Doch bis zur Unterbringung im neuen Gebäude war es ein langer und nicht einfacher Weg. Erinnert sei daher an die Gegebenheiten im ehemaligen Archiv, das bis November 1993 in den Räumen der jetzigen Gustav-Adolf-Gedenkstätte beheimatet war. Archivarin und Archivbenutzer teilten sich ein winziges dunkles Büro, um der Forschung nachzugehen. Der Kachelofen musste im Winter von eigener Hand beheizt werden, Zimmertemperaturen im Minusbereich waren nach dem Jahreswechsel möglich. Der Zustand der Archivalien verschlimmerte sich zusehends, da die Magazinräume starken Temperaturschwankungen und einer zu hohen Luftfeuchtigkeit unterworfen waren. Schimmelpilzbefall und Zersetzung der Papiere waren die Folgen.
Auch die nächsten Jahre stellten eher eine Interimslösung dar. Der plötzlich vonstatten gehende Umzug mit nur einem kleinen Teil des Aktenbestandes und der Handbibliothek in das Heinrich-Schütz-Haus konnte niemanden befriedigen. Der größte Teil der Akten, das Zeitungsarchiv ab 1813, die Archivbibliothek, Urkunden und Pläne wurden im Museum zwischengelagert. Um den laufenden Geschäftsbetrieb aufrecht zu erhalten, mussten die Archivalien jedes Mal vom Schloss geholt und auch wieder dorthin transportiert werden. Die Archivbenutzer saßen während ihrer Recherchen in der Küche des Schütz-Hauses.
Im November 1996 begann endlich der Umzug des Stadtarchivs in das heutige Domizil. Nach Wochen des Räumens wurde Anfang Januar 1997 die erste Benutzerin im sanierten Haus begrüßt, das einst Amtsstuben des alten Amtsgerichtes beherbergte. Endlich konnten auch unsere Archivbesucher in aller Ruhe im neu entstandenen Benutzerraum recherchieren, bei Bedarf Kopien anfertigen lassen oder am Reader-Printer mikroverfilmte Archivalien lesen und ausdrucken.
Im Erdgeschoss befinden sich die Magazinräume, die das komplette Archivgut aufnahmen. Verpackt in entsprechende Kartonagen, lagern um die 20.000 Akten aus fünf Jahrhunderten in Regalen sowie der Fahrschrankanlage. Luftentfeuchter unterstützen die gleichmäßige Luftfeuchte, um das Archivgut nicht dem Schimmelpilzbefall auszusetzen. Die Mikrofilme werden in speziellen Kühlschränken aufbewahrt, um ihnen eine lange Lebensdauer zu garantieren. Inzwischen wurde auch mit der Gamma-Bestrahlung des Archivgutes begonnen. Bei diesem Verfahren werden bereits vorhandene Schimmelpilzsporen abgetötet, so dass sie sich nicht innerhalb der Archivalien ausbreiten können.
Die Computertechnik fand erst im Jahr 2000 ihren Einzug in den täglichen Arbeitsprozess. Die Übernahme der vorhandenen Karteien und Findbücher in den PC erleichtert die Sucharbeit zu schriftlichen und mündlichen Anfragen erheblich. Allerdings dauerte es ca. 4 Jahre, bis der größte Teil der Daten eingespeichert war.
Mitte 2003 übernahm das Stadtarchiv die umfangreichen Sammlungen des Fotoarchivs, das bis dahin ebenfalls im Heinrich-Schütz-Haus untergebracht war. 17.000 Fotos und Postkarten und mehrere hundert Dias zeigen Weißenfels und Umgebung vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute.
Durch öffentliche Führungen, insbesondere am „Tag der offenen Tür“ im September 2004, an dem mehr als 300 Interessierte den Weg hierher fanden, oder der CD-Ausgabe einer Chronik vom Anfang des 18. Jahrhunderts gewann das Archiv an Bekanntheit und Außenwirkung. Die Zahl der Direktbenutzungen im Stadtarchiv stieg folglich an und im Laufe der letzten 10 Jahre konnten knapp 2.500 Benutzungen mit meist lokalhistorischem oder wissenschaftlichem Hintergrund registriert werden. Dazu kommen täglich schriftliche Anfragen aus Deutschland oder dem Ausland – seit ein paar Jahren ist das auch per E-Mail möglich.