| 02_Textliche Erläuterung zum Entwurf (Gesamtbaumaßnahme 2007)
Mit der angestrebten Maßnahme IBA-Projekt Neustadtpark - Neue Wiesen, die in zwei Baumaßnahmen in den Jahren 2007 und 2008 realisiert wird, beginnt die Stadt Weißenfels mit der Umsetzung eines Konzeptes zur Umgestaltung und Aufwertung eines Areals von ca. 20 ha Industrie- und Altindustriestandorten in der Weißenfelser Neustadt. Begonnen wird mit den Flächen des Neustadtparks zwischen der Merseburger Straße und dem E-Werk-Komplex an der Schlachthofstraße, wobei die Mauergestaltung zwischen Merseburger und Tagewerbener Straße als Initialprojekt dienen wird.
Die genannte Maueroberfläche soll flächendeckend mit einem Farbanstrich versehen werden. Bei den drei von uns erarbeiteten Varianten spielt neben der Farbwahl jeweils die Gestaltung mit Schrift eine besondere Rolle. Der Ausdruck mit Worten ist ein direktes Mittel und kann der Stimmungslage einer ganzen Gruppe von Menschen am ehesten Ausdruck verleihen. Wie in Variante 1 dargestellt, sollen Worte gefunden und anschließend in verschiedenen Größen auf die Wand gebracht werden. Die Sammlung der Worte wird beim Neustadtfest 2007 vorgenommen und vom Neustadtverein durchgeführt werden. Die Mauer wird nach derzeitigem Stand zu etwa zwei Drittel der Fläche mit "Wildem Wein" bepflanzt und dauerhaft begrünt sowie zu einem Drittel mit dem erwähnten Farbanstrich versehen werden.
Östlich der Merseburger Straße bis zum E-Werk und zur Schlachthofstraße sollen alle Flächen südlich der dargestellten Wegeachse neu gestaltet werden. Der aus dem Hallenabbruch gewonnene Schotter wird zu einem Keil aufgeschüttet und mit einer Magerwiesenmischung angesät, die einige Jahre Entwicklungszeit benötigt. Einjährige Pflanzen wie Mohn, Kornblume und Ringelblume sorgen bereits im ersten Jahr 2008 für einen Blühaspekt. Pflegekosten sollen hier bei einer ein- bis zweimaligen Mahd pro Jahr so gering wie möglich gehalten werden. In den südlichen und westlichen Randbereichen zur Wohnbebauung hin wird ein 10 bis 35 Meter breiter Gehölzstreifen angelegt, der den neuen Park fasst und die Wiesen einrahmt. Neben einigen Hochstämmen als Initialgehölze werden auf den Flächen einheimische Gehölze in Forstpflanzenqualität eingebracht.
An zwei Stellen führen Treppen auf den Wiesenkeil hinauf zu Sonnendecks, die mit hellen Betonplatten und Beton-Sitzelementen bestückt sind. Nördlich des Keils zieht sich in einem breiten Streifen das Aktivitätenband mit dem das Gebiet markierenden Generationenhain. Dieser Hain besteht aus einer Pflanzung von Hochstamm-Gehölzen in einem strengen Raster, wobei als Baumarten einige verschiedene Arten vorgesehen sind, deren Anordnung nach einem bestimmten Bild erfolgen soll. Die Pflanzung der Bäume erfolgt in mehreren Teilabschnitten. Geplant ist, die Bevölkerung in die Bepflanzungesmaßnahmen mit einzubeziehen, indem man einen Baum zu Anlässen für einen bestimmten Preis erwerben kann. Dieser Baum wird dann zusammen mit einer Gruppe anderer Bäume zur jeweiligen Pflanzzeit gepflanzt und ergänzt den Hain bis dieser vervollständigt ist.
Eingelassen in diesen Hain sind einige Flächen für den Aufenthalt und zur sportlichen Betätigung. Die Asphaltwelle ist nicht nur für Skater ein Erlebnis, sondern bietet auch Radfahrern oder Fußgänger ein eigenartiges Gefühl bei Bewegungsabläufen auf dem formal wellenförmig gestalteten Asphaltstreifen. Die Aktionsflächen werden von gebrauchten Granitborden und -pflastersteinen eingefasst und mit der Wiesenansaat versehen. Eine langfristige anderweitige Nutzung dieser Flächen soll jetzt noch nicht endgültig bestimmt sein.
Nördlich davon, in der Verlängerung des bereits hergestellten Fuß- und Radweges zwischen der Merseburger und der Tagewerbener Straße soll eine neue Wegeverbindung zu E-Werk und Schlachthofstraße sowie quer dazu eine später noch auszubauende Verbindung zwischen Nordstraße und Röntgenweg hergestellt werden. Die Ost-West-Verbindung als Hauptachse und Rückgrat des Parks wird in Anlehnung an die vormaligen Gleistrassen "zweigleisig" ausgeführt, wobei es die Führungsstränge sowie Weichen als auch waggon- oder pufferähnliche Elemente geben wird. Der nördliche der beiden Wege soll als übergeordneter Fuß- und Radweg, welcher später auch in anderen Arealen in der Neustadt fortgeführt wird, als drei Meter breiter Asphaltweg ausgebildet, der südliche als Neustadtpromenade mit einer wassergebundenen Wegedecke versehen werden (wie auch alle anderen Wege im Gebiet). Die Waggons bilden Linien und strukturieren den langen Wegekorridor. Sie bestehen aus zwei Teilen, dem Grundkörper, einer Stahlgabione, die mit geschichteten Klinkersteinen gefüllt wird und einem Stahlkörper, der als Sitzbank dient. Dieser Körper ist ein Hohlkörper, tagsüber massiv wirkend, wird er nachts zum Leuchtobjekt, das von innen blau ausgeleuchtet wird. So entsteht nachts eine Lichtlinie zwischen Merseburger Straße und E-Werk.
Die Flächen vor dem E-Werk erfahren insofern eine Veränderung, als eine räumliche Trennung zwischen E-Werk und Schlachthofstraße in Form einer Birkenpflanzung vorgesehen ist. Somit rückt das E-Werk in den Park und wird integraler Bestandteil dieser Neugestaltung. Die Bodenflächen werden nur geringfügig und oberflächlich verändert. Die Pflanzung von dichtstehenden Birkenreihen als Heister oder mehrstämmige Pflanzen erzeugt einen dichten Pflanzenblock, der zur Masse und zum Ambiente des E-Werks passt, ihm Ausdruck verleiht und sowohl im Winter durch die weißen Stämme als auch im Frühjahr und vor allem im Herbst ein vergleichsweise starkes Stimmungsbild erzeugen wird. Für das E-Werk wird damit ein Vorplatz definiert, der spezifisch als Eingangsbereich oder Veranstaltungsort genutzt werden kann.
Die Gesamtflächen umfassen ein Areal von 31.000 m².
03 Weiterführung Neustadtpark 2008 Die „Nordachse“ des Parks umfasst eine Fläche von ca. 14.000 m² und beinhaltet eine bisher fehlende fußläufige Querungsmöglichkeit in Nord-Süd-Richtung und stellt somit eine wichtige städtebauliche Verbindung zwischen den Bebauungsgebieten dar. Ein Großteil der Grundstücke war in privatem Besitz und wurde von der Stadt Weißenfels erworben. Im Zuge einer Abbruchmaßnahme wurden sämtliche Gebäude und befestigte Flächen sowie die Beräumung des Areals durchgeführt. Die Gasometerruine wurde in das Gesamtgestaltungskonzept einbezogen und blieb stehen. Als Grundstimmung und Gestaltungsansatz bei der Umgestaltung der Flächen stand die Industrievergangenheit der großen Konversionsflächen in der Weißenfelser Neustadt. Die industrielle Vergangenheit soll bei der Verwendung von Materialen (gebrauchtes oder vor Ort gefundenes Material) und der Gestaltung der Flächen (z.B. Wiesenansaaten auf Rohboden- oder Schotterflächen) thematisiert und sichtbar gemacht werden. Angelegt wurde eine Freifläche mit verschiedenen Nutzungsangeboten und –intensitäten, eine durchgängige Wegeverbindung und damit das Andocken an den im Süden bestehenden Park sowie extensive Wiesen- und Gehölzflächen. Durch die neue Wegeverbindung, welche als kombinierter Fuß- und Radweg angelegt wurde, werden Wege von den nördlichen Stadtgebieten zum Stadtzentrum sowie der Weg zum Bahnhof verkürzt. Der größte Teil des Gebietes wurde pflegeextensiv mit Wiesen- Rasen- und Gehölzflächen gestaltet. Aus dem alten Gasometer ist ein interessantes Spielareal geworden. Der Gesamteindruck soll sich in seiner Ausprägung und Ausgestaltung an den südlich anschließenden Teil des Neustadtparks anlehnen. |