Kurzinfo OT Markwerben | Artikel-Kategorien

Ortschaft in Zahlen

Einwohnerzahl (Stand: 31.12.2015) 611
Fläche 3,85 km2
Früheste Erwähnung ca. 900
Höhe 101 m
Postleitzahl 06667
Vorwahl 03443
Eingemeindung 2010

 

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Markwerben

Blick auf Markwerben mit Bergturm

Die grüne Ortschaft Markwerben befindet sich im Nordwesten von Weißenfels und liegt inmitten eines Landschaftsschutzgebietes.

Die Gegend um die heutige Ortschaft wurde schon in ur- und frühgeschichtlicher Zeit besiedelt. So barg man aus frühneolithischen Grabhügeln, die nahe der Salpeterhütte gefunden wurden, Keramikgefäße und Steingeräte, die etwa 7.000 Jahre alt sind. Im Hersfelder Zehntverzeichnis von 881 wird der Ort erstmals erwähnt. Ab 1231 kommt die Bezeichnung Marcwirbene und ab 1300 Martwerben vor. Der Ortsname soll aus dem Mittelhochdeutschen Wort market hervorgehen, was übersetzt Marktort oder Markthandel bedeutet. Seit 1749 setzt sich die heutige Schreibweise Markwerben durch.

Im 9. Jahrhundert wurde auf dem Gotthardsberg eine karolingische Burganlage namens Uuirbina mit einer Größe von 90 x 180 Metern errichtet. Die Burg diente als Grenzsicherung zwischen dem Sorbischen und dem Fränkischen Reich. Spätestens im 11. Jahrhundert wurde sie jedoch aufgegeben. In der Zeit des Bestehens der Burg hatten sich in ihrem Umfeld Bauern niedergelassen und eine Siedlung gegründet. Schon Ende des 12./ Anfang des 13. Jahrhunderts war aus der Siedlung ein Dorf mit eigener Kirche entstanden. Von dieser Kirche ist aus der Entstehungszeit nur noch der romanische Chorturm im Original erhalten. Vom 13. bis zum 15. Jahrhundert gab es im Ort zwei Rittergüter. Eines davon war eine Salpetersiederei. Das erste wurde 1231 von Rittern aus dem Geschlecht der Knuths erbaut, das zweite entstand erst im 14./15. Jahrhundert und wurde auch als Siedlerhof bezeichnet.

Die Gemarkung von Markwerben war bis in das 15./16. Jahrhundert bedeutend größer als heute. Teile der heutigen Weißenfelser Neustadt gehörten dazu. Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), im Siebenjährigen Krieg (1756-1763) und während der Befreiungskriege (1813/14) wurde Markwerben durch die durchziehenden Truppen stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Kriege und damit verbundene Plünderungen ließen die Bevölkerung nicht zur Ruhe kommen. Überschwemmungen durch die Saale taten ein Übriges. Und doch ließen sich die Bewohner nicht unterkriegen.

Neben der Landwirtschaft und der Viehzucht wurde auch Weinbau betrieben, der Mitte des 19. Jahrhunderts zum Erliegen kam. Waren bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts die meisten Einwohner in der Landwirtschaft tätig, so änderte sich das mit der einsetzenden Industrialisierung. Zwar war die Landwirtschaft weiterhin ein wichtiger Arbeitgeber, doch die Arbeit in den Fabriken in und um Weißenfels nahm immer mehr an Bedeutung zu. Wie andere Städte und Dörfer auch hatte Markwerben unter dem Ersten Weltkrieg (1914-1918) und Zweiten Weltkrieg (1939-1945) zu leiden. Zahlreiche Opfer waren zu beklagen. Nach Beendigung des Krieges begann die Modernisierung des Dorfes. In den 50er und 60er Jahren entstanden neue Wohnhäuser, ein Kindergarten wurde gebaut und eine Wasserleitung verlegt. Neue Sport-, Tier- und Kulturvereine wurden ins Leben gerufen. Mit den politischen Geschehnissen von 1989/90 kam es zu größeren Veränderungen. Häuser und Straßen wurden saniert und Rahmenbedingungen für einen intakten Ort geschaffen.

Sehenswürdigkeiten in Markwerben:
Bergerturm (Aussichtsturm, erbaut 1881)
Gedenkstein für Albert Dose, Vorsitzender des ehemaligen Verschönerungsvereins (aufgestellt 1924)
Kirche mit romanischem Chorturm und barockem Schiff (1741)
Wohnhaus mit Sitznischenportal aus dem Jahr 1596, Hauptstraße 23
Geotop „Salpeterhütte“, Salpeterhütte 9
Angerartige Anlage mit schönen Häusern aus dem 16. bis 19. Jahrhundert, Hauptstrae
ehemalige karolingische Burganlage aus dem 9. Jahrhundert

Vereine und Gruppen
FC Markwerben 1926 e.V.
Kleinpfingstgesellschaft Markwerben e.V.
Rassegeflügelzuchtverein Markwerben 1949 e.V.
Markwerbener Kulturbanausen e.V.
Jagdgenossenschaft Markwerben (K.d.ö.R.)
Rassekaninchenzuchtverein Markwerben G 177 e.V.
Kirchengemeinde Markwerben
Kirchspiel Großkorbetha
Weißenfelser Reitverein e.V.
Sportgruppe „Wonneproppen“
Verein Markwerben – Turmfalken e.V.
Kleingartenverein „Markwerbener Schweiz“

Eine alte Tradition - Das Markwerbener Eierbetteln

Beim Markwerbener Eierbetteln handelt es sich um einen alten Brauch, der in der Ortschaft seit 1819 schriftlich nachgewiesen ist. Aber schon nach dem Dreißigjährigen Krieg soll das Eierbetteln durchgeführt worden sein. Das Eierbetteln findet immer Kleinpfingsten (eine Woche nach Pfingsten) statt. Der Grund für diesen Brauch ist nicht ganz geklärt. Zum einen meint man, dass nach den überstandenen Kriegsjahren (1618-1648) die neue Friedenszeit jedes Jahr gefeiert wurde. Eine andere und die wahrscheinlich richtige Variante ist, dass man durch die vielfältigen Verkleidungen böse Geister, Krankheiten und Unheil von dem Dorf fernhalten wollte. Außerdem sollte gleichzeitig der Frühling und der anschließende Sommer begrüßt werden.
Als Symbol des wiederkehrenden Frühlings und der neuerweckten Natur steht der Birkenbaum (im Volksmund auch Maie genannt). Vor jedem Haus wird zu Kleinpfingsten am Samstag eine Maie durch die Pfingstburschen aufgestellt. Schon im Vorfeld werden für das Eieressen Eier, Wurst, Speck und Schinken bei den Einwohnern der Ortschaft eingesammelt. In die Pfingstgesellschaft durften nur Verheiratete eintreten. In der heutigen Zeit wird diese Regelung nicht mehr so streng gehandhabt. Der Grund liegt darin, dass heute viele Paare nicht mehr heiraten und in eheähnlichen Gemeinschaften leben. Jeder neue Pfingstbursche muss vor Eintritt eine Taufe über sich ergehen lassen.
Das eigentliche Eierbetteln findet am Sonntag statt. Ab dem frühen Nachmittag ziehen die verkleideten Eierbettler durch das Dorf und erbetteln bei den Einwohnern kleine Geldbeträge (das ist eine Besonderheit des Markwerbener Eierbettelns) die in einer Blechdose gesammelt werden. Zum Ausklang trifft man sich auf dem Dorfanger oder im Gemeindesaal um zusammen den Tag ausklingen zu lassen.

© Katharina Vokoun E-Mail