Kurzinfo OT Storkau | Artikel-Kategorien

Ortschaft in Zahlen

Einwohnerzahl (Stand: 31.12.2015) 556
Fläche 7,90 km2
Früheste Erwähnung -
Höhe 146 m
Postleitzahl 06667
Vorwahl 03443
Eingemeindung 2010

 

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Storkau, Obschütz und Pettstädt

Kirche in Pettstädt

Zur Gemeinde Storkau gehörte ab 1946 der Ort Obschütz und seit 1951 Pettstädt. Letzteres wechselte mit dieser Gemeindezusammenlegung auch den Landkreis; zuvor gehörte Pettstädt zum Kreis Querfurt. Mit der Gemeindebildung hatte wurden drei ungefähr gleich große Orte mit ähnlich geschichtlichem und gesellschaftlichem Profil zusammengelegt.

Storkau – der größte der Orte – wird um 1300 erstmals urkundlich im Zinsregister des Weißenfelser Klarenklosters als Ztorkowe genannt. Schon zuvor ab 1234 wird Lambertus de Storcowe in Urkunden aufgeführt. Er war ein Adeliger, der sich nach dem Ort benannt und wohl auf dem späteren Rittergut seinen Stammsitz hatte. Der Ortsname leitet sich vom altsorbischen storkati „stoßen“ ab. Der Ort wurde folglich dort errichtet, „wo Pfähle in den Boden gerammt wurden“ oder wo der Ort als „Vorstoß vor einem anderen angelegt wurde“.

Eng mit der Ortsgeschichte verbunden ist die Geschichte des Rittergutes in Storkau, welches wohl aus dem mittelalterlichen Sedelhof entstanden ist. Die Burganlage ist auf alten Karten als Wasserburg auszumachen, die aber im Laufe der Zeit mehrfach überformt wurde. Die Gutsbesitzer wechselten mehrmals, wobei einige Besitzer innovative und interessante Ideen verfolgten. So baute der Rittergutsbesitzer Ernst Schmalfuß 1856 eine Branntwein-Brennerei und betrieb eine Rosenzucht (1866/67: 823 verschiedene Rosengewächse) und Baumschule. Nach seinem Verkauf des Gutes 1865 an die Zuckerfabrik Schwanecke und Comp. in Weißenfels siedelte er nach Uichteritz über. Die Weißenfelser Zuckerfabrik etablierte den Zuckerrübenanbau und baute die „Arbeiterkasernen“ oberhalb des Gutes. Im Jahre 1899 kaufte Johannes Thimey das Gut, ließ 1900 das Herrenhaus, 1923 das Auszugshaus (als Altenteil) und mehrere Wirtschaftgebäude errichten. Zwar bewirtschaftete das Gut ca. 200 ha Land aber das Hauptaugenmerk war die Tierzucht; vor allem Pferde, aber auch Schafe, Rinder und Schweine. Die Familie wurde 1945 enteignet. Eine Passion des letzten Rittergutsbesitzers war seine Champignonzucht, die er u. a. in Weißenfelser Privatkellern (auch nach 1945) betrieb. Zu DDR-Zeiten wurde auf dem Gut der Zuchtbetrieb ausgebaut und weiter Landwirtschaft betrieben. Der Kindergarten und die Gemeindeverwaltung waren im Rittergutshaus untergebracht. Die Erben der ehemaligen Rittergutsfamilie Thimey haben nach langem gerichtlichem Kampf einen Großteil der Felder und Gebäude zurückerhalten.

Die Storkauer Kirche ist in ihren Ursprüngen eine romanische Saalkirche mit Chor und Westturm, die den heiligen Vincent und Gangolf geweiht war. Plünderten schon 1631 im Dreißigjährigen Krieg Tillysche Truppen die Kirchen, so wurde sie besonders während der Plünderung von französischen Truppen nach der verloren Völkerschlacht bei Leipzig 1813 heimgesucht. Der Kirchenschatz (Hostiendose und Kelche) wurde geraubt, die hölzerne Inneneinrichtung (Bänke, Taufstein, Altar, Orgel) entfernt und die Kirche als Pferdestall missbraucht. Erst 1832 war alles wieder vollständig zum Gottesdienst hergerichtet: Taufstein, Kanzelaltar und Sitzbänke. Im Jahr 1866 konnte dann endlich die Kirchengemeinde eine Ladegastorgel einweihen, die bis heute einen wunderschönen Klang von sich gibt.

Auf dem Friedhofsgelände neben der Kirche steht das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, welches am 22. Mai 1921 eingeweiht wurde. Die Arbeiten für 8.400 Mark führten der Bildhauer Sack und die Firma Schlehan aus Weißenfels aus. Im Krieg starben acht Storkauer.

Pettstädt wird als Ort wahrscheinlich schon im Hersfelder Zehntverzeichnis aus dem 9. Jahrhundert genannt. Für das Jahr 1046 wird Pettstädt als Pozieste in der Gosecker Klosterchronik (Altarweihe in der Krypta) aufgeführt. 1206 gehört ein Teil des Ortes Pozeste dem Kloster Reinsdorf. Der Ortsname leitet sich wahrscheinlich vom slawischen po = an/am und cěsta = Weg/Verkehrsweg ab. Die geografischen Gegebenheiten an einem großen Verkehrsweg (Kreuzungen von Straßen) – heute B 176, einige vermuten hier entlang führend die via regia – sind nicht leugbar. Im Laufe der Zeit wurde der Ortsname germanisiert, zumal der Ort wohl um 1500 auch lokaler Wallfahrtsort war und so über Betstätte und Bodstedt der heutige Name Pettstädt entstand.

Die Pettstädter Annenkirche stammt aus der Zeit um 1150 und wurde als Chorturmkirche errichtet. Aus dieser Zeit stammt u. a. das westliche Firstkreuz mit Kruzifix. Um 1500 baute man einen neuen gotischen Chor im Osten der Kirche an. In ihm sind als Highlights der spätgotische Flügelaltar und die modernen, von der Künstlerin Christina Simon entworfenen Maßwerkfenster zu sehen. Bei Bauarbeiten im 20. und 21. Jahrhundert wurden spätromanische Malereien in der Kirche entdeckt. Vor allem in den Sommermonaten ist die Kirche geöffnet, um den Pilgern, die auf dem Ökumenischen Pilgerweg von Görlitz nach Vacha reisen, eine Gelegenheit der Ruhe und Entspannung zu bieten.

Pettstädt hatte früher zwei Gasthöfe. Zum einen der Gasthof im Dorf, der zum Schluss der Familie Reifert/Bechmann gehörte und zum anderen die Ausflugsgaststätte „Zum Luftschiff“. Den Namen „Zum Luftschiff“ erhielt der Gasthof erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Davor hieß er „Zum weißen Reiter“. Mit der Namensänderung wird nicht an einen Zeppelin erinnert, sondern an ein wahres Schiff, welches auch die Hausmarke zeigt. Der Legende nach soll bei der Bedienung von umherreisenden Studenten unter das Tischtuch der Wind gefahren sein, so dass ein Student ausrief: „Das Luftschiff soll der Teufel holen“. Der Wirt übernahm dann sogleich den Namen für seinen Gasthof auf luftiger Höhe. Unweit des Gasthofes steht auch heute noch ein prähistorisches Hügelgrab, wie sie in der Region des Öfteren zu finden sind.

Die Ziegelei war bis zur Wende 1989/90 das größte Wirtschaftsunternehmen des Ortes. Wurden ursprünglich nur Ziegel hergestellt, musste nach der Vertreibung und Flucht des Eigentümers (Familie Mahler) 1953 das Unternehmen, nun als Staatsbetrieb geführt, das Sortiment erweitern. So wurden hier ab 1980 die Moosgummirahmen für Fahrzeuge (Wartburg) hergestellt und ab 1984 Zier- und Gebrauchskeramik (z. B. Sparschweine, Vasen, Kerzenhalter) gefertigt. Nach der Wende gingen diese Betriebe aufgrund der Unwirtschaftlichkeit wieder ein. Das Gelände wurde von einem Möbelhaus (Reco) und einem Fliesenhandel (Meyhe) weiter genutzt. Als technisches Denkmal steht noch der alte in Deutschland einmalige Zickzackofen der Ziegelei und verfällt zusehends.

Ein Wahrzeichen Pettstädts ist die Bockwindmühle, die seit 1903 im Besitz der Familien Schulpig und Volk ist. Zwar musste sie ihrer unbrauchbar gewordenen Flügel beraubt werden, aber die Innenausstattung (bis auf den Elektroanschluss) ist originalgetreu und voll funktionsfähig.

In der Nähe des Pettstädter Teiches steht das Kriegerdenkmal für die Verstorbenen des Ersten Weltkrieges, welches am 28. Mai 1922 eingeweiht wurde. Es erinnert an die sieben Gefallenen und drei Vermissten aus Pettstädt.

Obschütz wurde erstmals um 1300 im Weißenfelser Zinsregister des Klosters urkundlich als Upsiz erwähnt. Die Schreibweise des Ortes in einer Urkunde von 1350 Upschicz erinnert stark an den örtlichen Dialekt. Wenn man Einheimische nach dem Ortsnamen fragt, dann bekommt man „Upscht“ zu hören. Die Herleitung des Ortsnamens ist nicht genau geklärt. Es ist möglich, dass der altsorbische Name Ub-šici sich von einem Personennamen Ubyš = „Obschütz ist der Ort eines Ubyš“ ableitet.

In die Obschützer Flur sind im Mittelalter zwei weitere Dörfer eingegangen. An die Wüstungen (Göhren und Pobles/Poblitz) erinnern heute nur noch Gemarkungen in der Flur. Obschütz war ein Bauerndorf, was man heute noch gut an den meist großen Gehöften erkennen kann. Teilweise sind diese unter Denkmalschutz gestellt, da sie mit ihren Wohnhäusern, Nebengebäuden und Umfriedungen Zeugnisse des dörflichen Lebens im 19. Jahrhundert sind.

Im Dorf erinnern zwei Kriegerdenkmale an die Gefallenen der Reichseinigungskriege (1864, 1866 und 1870/71) und des Ersten Weltkrieges, bei dem vier Obschützer ihr Leben ließen.

Die Obschützer Laurentiuskirche liegt auf einer kleinen Anhöhe am Rand des Dorfes. Es ist eine romanische Chorturmkirche aus dem 12. Jahrhundert. Um 1500 wurde der gotische Ostchor angebaut und im frühen 18. Jahrhundert die Kirche in die heutige Form umgebaut. Besonderheiten an der Kirche sind die mittelalterlichen Wasserspeier mit Tier- und Menschenköpfen, die romanische Tür mit eisenbeschlagenem Türblatt und die reich verzierte Sakramentsnische. Im Jahr 1631, während des Dreißigjährigen Krieges, wurde die Kirche von Tillyschen Truppen geplündert.

Heutiger Mittelpunkt des Lebens im Ort ist der „Obschützer Hof“, an der Straße nach Storkau gelegen. Ca. 1885 wurde der Gasthof von Hermann Schilling errichtet und fünf Jahre später mit einem Saal erweitert. Weitere An- und Umbauten folgten, da die Lokalität gerne bei Dorffesten und Tanzveranstaltungen von den Bauern und vor allem von der bäuerlichen Jugend genutzt wurde. Als Hermann Schilling kinderlos verstarb, ging der Gasthof in die Familie Wünsch über. Heute betreibt Matthias Streit die Gaststätte mit Saal, Vereinszimmer und Gaststube.

Brauchtum in den Orten Storkau, Obschütz und Pettstädt
Die Gemeinde Storkau kann auf eine kulturelle Vielfalt zurückblicken, die teilweise bis heute fortgeführt oder neu gegründet das Dorfleben mitbestimmt. Die Radfahrvereine wurden vom Fußball verdrängt, wobei Storkau zeitweise in den 1970er Jahren eine erfolgreiche Frauenfußballmannschaft stellte. Die Kriegervereine wurden 1945 aufgelöst. Es gibt jedoch noch eine Jagdgenossenschaft. Die Kirchengemeinden bereichern seit jeher mit Veranstaltungen das dörfliche Leben, ob es die Filmvorführungen in Storkau, das Kaffetrinken in der Kirche in Obschütz oder Kunstausstellungen in Pettstädt sind. Desweiteren gab es zeitweise zum Beispiel in Storkau den Volkschor und in Pettstädt den Geflügelzüchterverein.

Die Geschichte der drei Feuerwehren geht weit zurück. Schon im Mittelalter und in folgender Zeit gab es so etwas wie eine lose Feuerwehr der Bauern, die sich im Brandfall halfen, schon um ein Übergreifen der Flammen auf die eigenen Gehöfte zu verhindern. In den Jahren 1933/34 wurden dann die Ortswehren institutionell gegründet, um ein schnelleres und geordneteres Eingreifen im Notfall zu erreichen. Dazu wurden bis in die heutige Zeit Gerätehäuser und Feuerlöschteiche ein- und hergerichtet, wie auch notwendige Fahrzeuge und Geräte angeschafft. Die sportliche Seite hält seit Jahren die Feuerwehr in Storkau hoch, die auf Kreisentscheiden Preise holte. Die Obschützer Feuerwehr machte sich besonders in der Jugendarbeit mit der Jugendfeuerwehr verdient. Die Pettstädter Feuerwehr initiierte mit den Landfrauen das Maifest als altes, nun wieder neu aufgelegtes Kinderfest mit Maibaumklettern und Bändertanz.

Die Landfrauen in Storkau und Pettstädt treffen sich mehrmals im Jahr, um altes Brauchtum z.B. das Binden der Erntekrone oder Bastelarbeiten wieder aufleben zu lassen und um sich auch aktuellen Themen zuzuwenden. So werden beispielsweise Vortragsabende über verschiedene Länder gehalten oder verschiedene Aktivitäten bei den Dorffesten (wie z.B. Kuchenbasar) vorbereitet.

Die Höhepunkte in den Dörfern sind die Sommermonate mit ihren großen Dorffesten. Die Obschützer feiern Pfingstbier und die Storkauer und Pettstädter Johannesbier. Obschütz kann dabei auf die längste Tradition zurückblicken, denn schon im Jahr 1893 wurde Pfingstbier hier begangen. Am Pfingstwochenende werden dabei Maien (Birken) aus dem Wald geholt und vor jedem Haus aufgestellt, wobei man mit geschmückten Wagen und Musik durchs Dorf zieht. Hinterher sammeln die Eierbettler dann noch Eier, Wurst, und Wein/Bier für das leibliche Wohl ein. Ein Tanzabend beschließt den Festtag. Früher sollen an Pfingsten die Burschen und an Kleinpfingsten die verheirateten Männer durchs Dorf gezogen sein, heute wird nur noch Pfingsten gefeiert. Der Ablauf zum Johannesbier in Pettstädt und Storkau ist in den Grundzügen ähnlich, gefeiert wird aber um Johanni (24. Juni) herum - Storkau in der Regel vor Johanni und Pettstädt eine Woche später. Neuigkeiten wie Fußballspiele, Programmaufführungen und Discoabende ergänzen diese Dorffeste und lassen sie zu einem unvergesslichen Ereignis werden.

© Katharina Vokoun E-Mail