Kurzinfo OT Uichteritz | Artikel-Kategorien

Ortschaft in Zahlen

Einwohnerzahl (Stand: 31.12.2015) 1274
Fläche 8,60 km2
Früheste Erwähnung 1285
Höhe 100 m
Postleitzahl 06667
Vorwahl 03443
Eingemeindung 2010

 

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Uichteritz

Die alte Schule Uichteritz und der Wehrturm der Kirche. © Bringfried Schatz

Die ehemalige Gemeinde Uichteritz besteht aus dem Ort Uichteritz und dem Ortsteil Lobitzsch und umfasst ein Territorium von 8,55 Quadratkilometern. Beide Orte liegen im idyllischen Saaletal im südlichen Sachsen-Anhalt und sind seit dem 1. Januar 2010 Ortsteile der Stadt Weißenfels.

Uichteritz entstand wahrscheinlich im Zuge der Völkerwanderung im 6. und 7. Jahrhundert. Es waren vor allem Sorben und Wenden, die hier siedelten, was archäologische Funde wie die slawischen Burganlagen auf dem Gröbitzberg in Uichteritz belegen. Bei Ausgrabungen auf dem „Roten Berg“ und den „Siebenhügeln“ in Uichteritz fand man jungsteinzeitliche Gräber. Eine erste Erwähnung des Ortes Uichteritz gibt es im Zinsregister des 1285 gegründeten Klarenklosters zu Weißenfels. 1292 und 1304 tauchte der Name „Gebehardus de Uchteritz/Vchteritz“ in dem Copialbuch des Klosters zu Weißenfels auf. Eine weitere Erwähnung findet man 1300 im Zinsregister des Weißenfelser Klarenklosters mit “Uchetritz” und 8 Abgabepflichtigen sowie in Schriften über den Verkauf des Ortes Markröhlitz durch dieses Kloster an den Ritter Rudolph von Bünau zu Teuchern, worin der Zeuge „Heinrich von Uichteritz“ genannt wird (Original im Domstift zu Merseburg).

Die Herkunft des Ortsnamens Lobitzsch ist wahrscheinlich auf die altsorbische Form „Lovac, Lavac“ zu lova, lava (Sand-)Bank, Brett, Bohle, Steg durch sumpfiges Gelände zurückzuführen. Die erste urkundliche Erwähnung fand 1350 unter der Bezeichnung „Lobacz“ statt.

Ein markantes Gebäude in Uichteritz ist die alte Schule, ein neugotischer Ziegelbau mit Blendfeldern und Segmentbogenfenstern, das an der Stelle erbaut wurde, an der das Geburtshaus Erdmann Neumeisters stand. Neumeister wurde am 12. Mai 1671 geboren. Er schrieb mehr als 700 Kirchenlieder und Kantaten, von denen Johann Sebastian Bach mehrere vertonte, und war Hauptpastor am St. Jacobi in Hamburg, wo er am 18. August 1756 starb.

Daneben steht der alte Wehrturm, welcher um 1300 errichtet wurde, und die um 1510 erbaute Kirche mit dem im ländlichen Barockstil verzierten Kanzelaltar, dem Taufengel, dem romanischen Taufstein und der neugotischen Orgel. Ein weiteres Anwesen ist der Pfarrhof mit seinem Wohnhaus von anno 1600 und den beiden Torbögen aus dem 17. Jahrhundert.

Ein weiteres geschichtsträchtiges Gebäude des Ortes ist die alte Bäckerei. Sie wurde im 17. Jahrhundert in Quaderbauweise mit Steildach errichtet und diente den Gosecker Mönchen als Brauhaus. 1734 wurde es in ein Backhaus umgewandelt und Herr Zech Burkersroda verkaufte das Backhaus 1841 für 2.500 Taler an die Gemeinde Uichteritz. Im Jahre 1841 wurde die Uichteritzer Backhausgemeinde gegründet, der 85 Mitglieder angehörten. Seit 1970 wird im alten Backhaus kein Brot mehr gebacken. Seit dieser Zeit werden angelieferte Backwaren verkauft.

Ein weiterer markanter Punkt in Uichteritz ist das Gertruts-Eck. Hier trifft man sich zu Fackel- oder Festumzügen. Erbaut wurde es 1924/25 von Bruno Hoffmann und seiner Frau Gerdrud, geb. Ködel.

Beide Orte weisen heute eine dörfliche Bebauung auf. Es existieren kleinbäuerliche Anwesen mit teilweise erhaltenen Toranlagen und Wohnhäuser in Fachwerk-Lehmbauweise.

In Lobitzsch sind der „Lobitzscher Kultur- und Traditionsverein" sowie die „Trecker-Allianz Burgenlandkreis“ die Haupttriebfedern für das kulturelle Leben. Als Wirtschaftsunternehmen sind unter anderem die Firmen „Gartentechnik Hahn" und die „Töpferei Goschala" zu nennen.

Alteingesessene Wirtschaftsunternehmen in Uichteritz sind die Gärtnerei Budert, die Tischlerei Sturm, die Kfz-Werkstatt Schiedt, der Dach- und Baubedarfshandel Weidenbach, die Temmler GbR Metallbau, Heizungs-, Gas- und Sanitäranlagenbau Schauer, Bernd Freiberg Bau GmbH u.v.a. Im Ortsteil Uichteritz gibt es noch drei wunderschöne Gaststätten. Dies sind die Gaststätte „Zur Weintraube", die Gaststätte „Saaleperle" und die Gaststätte „Zum Sportlerheim".

Zu den ansässigen Vereinen gehören der Förderverein der Freiwillige Feuerwehr Uichteritz, der Anglerverein „Saaletal” Uichteritz e.V., der Verein für Rassegeflügelzucht, der Sportverein SC UM Weißenfels, der Kirchenchor und der Volkschor Uichteritz, die Röhlitzbacher Musikanten und die Heimatstube. Die Freiwillige Feuerwehr Uichteritz ist für die Sicherheit beider Ortsteile zuständig.

Brauchtum: Altweibermühle
Ein bekanntes Brauchtum, das im Uichteritzer Ortsteil Lobitzsch gepflegt wird, ist das Fest der „Altweibermühle“. Bei dem Schauspiel, das alle sieben Jahre stattfindet (das nächste Mal 2016!) und in der Form in Europa einzigartig ist, werden am Sonntagmorgen alle alten Weiber durch ihren Angetrauten aus dem Haus getrieben, damit sie auch ja in der Mühle landen, die aus ihnen wieder junge, hübsche und lebenslustige Mädchen machen soll. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Ehemann rechtzeitig einen Mahlantrag beim Obermüller der Altweibermühle gestellt hat. Der Obermüller kehrt nämlich nur alle sieben Jahre nach Lobitzsch zurück, um die alten Weibsen durchzumahlen. Jeder kann sich also denken, welch' Unmut jene ergreift, die es versäumt haben, rechtzeitig einen Antrag für ihre Alte einzureichen. Sind alle Weiber eingefangen werden sie auf einem Leiterwagen mit Musik zur Mühle gekarrt. Jede einzelne von ihnen wird dann mit viel Gekrache und Gezeter durchgemahlen und erscheint dann als wunderschönes, zum Anbeißen junges Ding am Mühlenausgang. (Autor und Fotograf: Bringfried Schatz)

© Katharina Vokoun E-Mail