»Spuk im Turm XXL« - Wie aus einer Vision Wirklichkeit wurde
Wenn am 25. Oktober 2025, von 16 bis 20 Uhr wieder kleine Hexen, Geister und Monster rund um den Bismarckturm in Weißenfels ihr Unwesen treiben, ist eines sicher: Hinter dem beliebten Halloween-Event „Spuk im Turm XXL“ steckt jede Menge Herzblut, Kreativität – und vor allem ehrenamtliches Engagement.
Zum 20-jährigen Jubiläum des Vereins hat sich Organisatorin Carolin Hillner einiges einfallen lassen – und dank der tatkräftigen Unterstützung der Stadt Weißenfels wird in diesem Jahr vieles möglich, was bisher nur Vision war. „Dass wir den Spuk dieses Jahr auch auf die Wiese vor dem Turm ausweiten können, war lange ein Traum – aber als Verein allein nicht realisierbar“, erzählt Carolin Hillner. Dank umfangreicher organisatorischer Unterstützung durch die Stadtverwaltung wird diese Idee nun Realität. „Das ist nicht nur Hilfe – das ist echte Wertschätzung für unsere ehrenamtliche Arbeit! Ich bin unheimlich dankbar. Ob Kulturamt, Veranstaltungsmanagement oder Ordnungsamt – alle stehen uns in diesem Projekt zur Seite. Besonders zu erwähnen sind auch die städtischen Dienste, die den Plan umsetzen: Man darf nicht vergessen, dass die Mitarbeitenden sich das Wochenende um die Ohren schlagen, um die Veranstaltung Samstagmorgens auf- und spät abends wieder abzubauen“, sagt Carolin Hillner.
Das Monsterfest für kleine Gespenster und ihre Familien findet in diesem Jahr also mit deutlich erweitertem Programm und neuem Konzept statt. Ein besonderes Highlight 2025: Erstmals gibt es zwei Hexen, die auf mutige Besucherinnen und Besucher warten. Die traditionelle „Turmhexe“ empfängt ihre Gäste wie gewohnt im oberen Bereich des liebevoll geschmückten Spukturms – ein echtes Abenteuer für tapfere Kids. Ganz neu in diesem Jahr ist die „Express-Hexe“, die in einer barrierefrei zugänglichen Hütte auf dem Gelände des Turmes untergebracht ist und bei der man ohne langen Aufstieg sein Geschenk abholen kann. Welche Hexe man besuchen will, kann dabei selbst entschieden werden. So können alle Kinder – unabhängig von Alter oder Mobilität – die Hexe besuchen.
Ein weiterer Gänsehaut-Moment: Der Rotary Club Heinrich Schütz Weißenfels spendet 1.000 kleine Geschenke, die an die Kinder in den Hexenhütten verteilt werden. „Diese Unterstützung ist für uns ein riesiges Geschenk – und sorgt für leuchtende Kinderaugen“, sagt Carolin Hillner. 500 Weitere Geschenke packt der Verein selbst und konnte sich dafür über Spenden unter anderem vom Stadtmarketingverein freuen. „Es ist schwer zu prognostizieren, wie viele Kinder wirklich kommen und wir wollen kein Kind ohne Geschenk nach Hause schicken“, sagt sie. Sollten Geschenke übrigbleiben, werden diese hinterher gespendet.
Doch nicht nur Stadt und Sponsoren machen den Jubiläumsspuk möglich – ein Großteil der Umsetzung liegt auch in den Händen junger Helferinnen und Helfer. Weißenfelser Schülerinnen und Schüler übernehmen an vielen Spielstationen die Betreuung und sorgen gleichzeitig für das leibliche Wohl der Gäste. Dafür dürfen sie die Erlöse aus dem Verkauf von Leckereien für ihre Klassenkassen nutzen. Besonders hervorzuheben ist die Ökowegschule, die allein drei Spielstände betreut. Die Organisation übernahm Lehrerin Ines Kunz, selbst Mitglied des Bismarckturmvereins. Sie schaffte es, fast 40 Schülerinnen und Schüler sowie deren Familien zu mobilisieren. „Zwischenzeitlich hatte ich Angst, ob ich mir nicht zu viel vorgenommen habe, als ich feststellte, dass ich rund 80 Freiwillige brauche, um das Projekt umzusetzen“, erinnert sich Carolin Hillner. „Aus den Reihen unseres Vereins wäre das niemals möglich gewesen, denn wir haben nur 55 Mitglieder. Als Ines auf mich zukam und sagte: ‚Wir machen das und ich bringe 40 Leute mit!' – da fiel mir wirklich ein riesiger Stein vom Herzen und ich hatte wieder Hoffnung, dass das alles irgendwie zu schaffen ist.“ Auch das Goethegymnasium Weißenfels und die Berufsbildenden Schulen bringen sich mit Tatkraft ein – ebenso wie die bewährten Helfer des befreundeten Vereins White Rock, die unter anderem beim Aufbau mit anpacken.
„Diese Unterstützung ist unbezahlbar. Es ist unglaublich, wie viele Menschen – jung und alt – sich hier einbringen. Genau das macht ein Ehrenamt lebendig“, sagt Carolin Hillner.
Für das leibliche Wohl ist selbstverständlich auch gesorgt: Ob deftige Roster vom Grill, herzhafte Wiener, traditioneller Mutzbraten, frische Waffeln, Pommes oder knuspriger Langos – hier findet jede und jeder etwas Passendes. Ergänzt wird das Angebot durch die Leckereien der Schülerinnen und Schüler, die mit viel Engagement Crepes, Popcorn, Zuckerwatte, Kuchen und Muffins verkaufen, um ihre Klassenkassen aufzubessern.
Um lange Wartezeiten zu vermeiden, wird in diesem Jahr ein neues System eingeführt: die digitale Hexen-Warteschlange. Per QR-Code kann man sich vor Ort ganz einfach eine Nummer ziehen und auf dem Handy verfolgen, wann man an der Reihe ist. „So entfällt das Anstehen – und die Familien können die Zeit besser nutzen: zum Spielen, Essen oder Toben auf dem Spielplatz“, erklärt Carolin Hillner. Der Spielplatz wird in diesem Jahr erstmals beleuchtet sein und lädt zum Toben auch bei Dunkelheit ein. „Uns war wichtig, dass alle Bereiche kindgerecht und sicher sind.“
Dass ein Event dieser Größe nicht einfach zu organisieren ist, versteht sich von selbst. Carolin Hillner stemmt Planung und Umsetzung ehrenamtlich neben Vollzeitjob und Kindern. Unterstützung bekommt sie dabei nicht nur vom Verein, sondern auch von ihrer Familie: „Mein Mann hat in jeder freien Minute neue Spielstationen gebaut – zum Beispiel gleich vier zusätzliche Wurfspinnen, statt wie früher nur einer. Nur so können wir auch bei den Spielen die Wartezeiten möglichst kurz halten. Außerdem hält er mir den Rücken frei und unterstützt mich, wo er kann.“
Aufgrund der erwarteten hohen Besucherzahlen und der besonderen Lage am Klemmberg gelten während der Veranstaltung spezielle Verkehrs- und Parkregelungen. Diese sollen den Ablauf für alle Beteiligten sicher und reibungslos gestalten. Das Viertel wird teilweise gesperrt, nur das Spuk-Team und die Anwohnerschaft darf mit einer speziellen Parkkarte in der Bismarckstraße parken. Die Karte wird vorher mit einer Anwohnerinformation in den Briefkästen stecken. Auf dem Schwarz-Gelb-Gelände an der Selauer Straße gibt es kostenfreie Parkmöglichkeiten und viertelstündlich pendelt ein Busshuttle zur Erich-Lattermann-Straße. Auf den Laternenumzug hat der Verein diesmal bewusst verzichtet, um sich voll auf den XXL-Spuk konzentrieren zu können.
Trotz XXL-Format bleibt das Event auch im Jubiläumsjahr kostenfrei für alle Besucherinnen und Besucher. Möglich machen das zahlreiche Spenderinnen und Spender, Förderer, Unterstützer – und die unzähligen ehrenamtlichen Stunden. „Wir wollen, dass alle Kinder unabhängig vom Geldbeutel teilnehmen können“, betont Carolin Hillner. Wer das Event unterstützen möchte, kann das dieses Jahr ganz einfach tun: Erstmals stehen an allen Spielstationen Spendendosen bereit. „Viele Eltern wollten sich in den letzten Jahren bedanken – jetzt haben sie die Möglichkeit dazu.“
Warum Carolin Hillner das alles macht? „Weil wir selbst mitgestalten können, was in unserer Stadt passiert. Ehrenamt ist gelebte Gemeinschaft“, sagt sie. Und genau das wolle sie auch ihren Kindern mitgeben. Jetzt fehlt nur noch das passende Wetter – und dann steht einem unvergesslichen „Spuk im Turm XXL“ nichts mehr im Wege.