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Datum: 25.09.2024

Weißenfelser Gleichstellungbeauftragte bringt Forderungen zum Schutz von Frauen und Kindern an die Bundesregierung mit auf den Weg

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Weißenfels Katja Henze ist zurück von der 28. Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten Deutschlands. Katja Henze wurde im Mai 2023 zur Bundessprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauenbüros und Gleichstellungsstellen (BAG) gewählt. In dieser Funktion hat sie die Bundeskonferenz erstmals mit durchgeführt und begleitet. Titel der Veranstaltung, die vom 15. bis zum 17. September 2024 in Würzburg mit etwa 500 Teilnehmenden stattfand, war „Armut, die – Substantiv, feminin“. Folglich stand das Thema Armut mit Fokus auf die Facetten weiblicher Armut im Vordergrund. Denn aktuellen Statistiken zufolge haben Frauen im Schnitt immer noch weniger Einkommen und deutlich niedrigere Altersrenten als Männer. Alleinerziehende, Migrantinnen und Frauen mit Behinderung sind besonders armutsgefährdet. In 17 Foren wurde diskutiert, zugehört und sich fachlich ausgetauscht.

„Ich habe sehr viele neue Impulse bekommen und danke dem gastgebenden Team der Gleichstellungsstelle der Stadt Würzburg für den tollen Empfang. Besonders habe ich mich gefreut, dass die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Lisa Paus und die Präsidentin des größten deutschen Sozialverbandes VdK Verena Bentele mit dabei waren“, sagte Katja Henze.

Neben viel fachlichem Input nahm am zweiten Tag vor allem die Abstimmung über die Anträge aus den Landesarbeitsgemeinschaften eine zentrale Stellung ein. Die Gleichstellungsbeauftragten stimmten unter anderem wichtigen Forderungen wie der Abschaffung des Ehegattensplittings zur Überwindung tradierter Geschlechterrollen und Aufgabenverteilung innerhalb von Ehen sowie der Verbesserung der Situation ungewollt Schwangerer zu. Außerdem fordern sie die Umsetzung der Istanbul-Konvention mit dem Gewalthilfegesetz, wodurch geschlechtsspezifische Gewalt zügig und wirkungsvoll bekämpft werden soll. Auch eine proaktive, aufsuchende Krisenintervention und Beratung für Kinder nach Vorfällen von Partnerschaftsgewalt wird verlangt. Die Forderungen werden der Bundesregierung überreicht. Die Politik ist verpflichtet auf die Anträge zu reagieren. „Nun ist die Politik gefragt. Die Forderungen bedürfen keiner weiteren jahrelangen Wartezeit“, sagte Katja Henze.

Die Bundeskonferenz bot zudem einen würdigen Rahmen, um die Erfolgsgeschichte von 40 Jahren BAG zu feiern. Meilensteine der Gleichstellungsarbeit sind unter anderem die Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe, der Gehsteigbelästigung und der Umsetzung des Prinzips „Nein heißt Nein“ im Strafrecht. Präsentiert wurde eine Jubiläumsbroschüre, die nicht nur die geschichtliche Entwicklung der BAG von 1984 bis heute sowie eine Vielzahl individueller Erfahrungen und Erlebnisse beleuchtet. Die Broschüre beantwortet auch relevante Fragen der Gleichstellungspolitik und gibt einen Ausblick auf die zukünftigen Aufgaben, die auch vor Ort in Weißenfels relevant sind.

Hintergrund: Armut ist weiblich
Schon im jungen Alter werden die Weichen für Armutsgefährdung im Alter gestellt: Frauen sind – insbesondere ab dem 30. Lebensjahr – weniger erwerbstätig als Männer. Und das oft unfreiwillig. Viele treten mit Geburt des ersten Kindes beruflich kürzer, weil die Sorge für Kinder, Haushalt und manchmal auch für Pflegebedürftige weitgehend auf ihren Schultern liegt. Verlässliche Betreuung von Kindern im Grundschulalter fehlt noch immer an vielen Orten. Ein großer Teil der Frauen bleibt langfristig in der reduzierten Stundenzahl. Flexible Arbeitszeitmodelle sind zu selten Standard. Die Stundenzahl aufzustocken trifft auf Widerstand. Führen in Teilzeit wird abgelehnt. Das Ergebnis sind kleinere Einkommen, weniger Chancen im Job und schlechtere Absicherung im Alter. Zu viele Frauen werden so auf Dauer wirtschaftlich von ihrem Mann oder vom Staat abhängig.
„Wirtschaftliche Eigenständigkeit der Einzelnen benötigt deshalb mehr Aufmerksamkeit! Hindernisse etwa im Steuerrecht sollten abgebaut, flexible Arbeitszeitmodelle und Führen in Teilzeit gestärkt werden. Ziel muss es sein, ökonomisch auf eigenen Beinen zu stehen, auch wenn sich das Leben ändert – für Frauen wie für Männer. Daran müssen wir bestehende Strukturen messen. Wirtschaftliche Eigenständigkeit schützt vor Armut und sie eröffnet Freiräume für Selbstbestimmung", sagte die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Lisa Paus.