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Datum: 12.11.2025

Zwischen Identität und Klischee

35 Jahre nach der Deutschen Wiedervereinigung besteht ein großes Interesse dafür, welchen Einfluss Herkunft und Prägungen bis heute auf das Denken und Handeln von Menschen in Deutschland haben. Das zeigte die Lesung „Ost*West*frau*: Wie wir wurden, wer wir sind“, die am 7. November 2025 in der BRAND-SANIERUNG stattfand. Etwa 60 Personen verschiedener Generationen waren gekommen, um mit der ostdeutschen Autorin Franziska Hauser und ihre westdeutschen Kollegin Maren Wurster darüber zu diskutieren, ob es nicht an der Zeit ist, die Unterscheidung zwischen Ost und West ad acta zu legen. Die beiden Schriftstellerinnen lasen aus ihrem Buch „Ost*West*frau*“ – einer Sammlung literarischer Texte, die beleuchten, wie Gesellschaftssysteme unsere Vorstellungen von Mutterschaft, Liebe und Emanzipation beeinflussen. Stimmen unterschiedlicher Generationen kommen darin zu Wort. Sie erzählen von Zuschreibungen, biografischen Erfahrungen, Aufbegehren und Rollenvorstellungen. Die vorgetragenen Texte regten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer dazu an, ihre eigenen Perspektiven mit einzubringen. So berichteten einige über ihre persönlichen Erlebnisse und Erfahrungen. Es wurde über Fremd- und Selbstzuschreibungen gesprochen und inwiefern diese im Widerspruch zu den eigenen Biografien und Identitäten stehen. Klischees und Vorurteile wurden hinterfragt. Auch nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung diskutierten die Weißenfelserinnen und Weißenfelser noch kräftig weiter. Einige haben sich am Tisch der Weißenfelser Seumebuchhandlung zudem das Buch gekauft und von den Autorinnen signieren lassen.

Initiiert wurde die Lesung „Ost*West*frau*: Wie wir wurden, wer wir sind“ von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Weißenfels Katja Henze, die sich am Veranstaltungsabend ebenfalls an den anregenden Gesprächen beteiligte und sowohl eigene Geschichten als auch Perspektiven aus ihrem beruflichen Alltag einbrachte. Die Lesung fand im Rahmen der Ausstellung „Dem eigenen Kompass folgen – Künstlerinnen und ihre Wege“ statt, welche noch bis 14. März 2026 in der Kunstgalerie gezeigt wird. Erstmals arbeiten die Weißenfelser Künstlerin Christina Simon von der BRAND-SANIERUNG, Katja Henze und der Leiter des Weißenfelser Heinrich-Schütz-Hauses Dr. Maik Richter im Rahmen der Ausstellung zusammen. Die Schau widmet sich den Lebensgeschichten von zehn Künstlerinnen.

„Die Lesung und der Austausch haben gezeigt, wie wichtig es ist, Erfahrungen miteinander zu teilen und Klischees zu hinterfragen. Persönliche Geschichten können uns Halt geben und Fragen nach dem Sinn des Lebens beantworten. Sie machen unsere Identität sichtbar und eröffnen neue Perspektiven“, sagte Katja Henze und machte zugleich deutlich, dass diese Erinnerungen nicht nur in den Köpfen bleiben sollten. „Es braucht Worte und eine öffentliche Plattform, damit dieses biografische Wissen nicht verloren geht und weiterwirken kann“, sagte sie. Es sei wichtig, persönliche Geschichten aufzuschreiben. Die BRAND-SANIERUNG bietet deshalb im Rahmenprogramm der Ausstellung „Dem eigenen Kompass folgen“ vom 16. bis 18. Januar 2026 eine Schreibwerkstatt an. „Jede und jeder von uns trägt Erfahrungen, Prägungen und Erlebnisse in sich. Wie aber finden wir darin unseren eigenen Kompass? Dieser Frage widmet sich die Schreibwerkstatt, die somit in gewisser Weise an unsere Lesung anknüpft“, sagte die Gleichstellungsbeauftragte. Interessierte sind herzlich zur Schreibwerkstatt eingeladen, um unter professioneller Anleitung Worte für das zu finden, was sie ausmacht – inspiriert von der eigenen Lebensgeschichte und den Kunstwerken der Ausstellung.  

Die Schreibwerkstatt kostet 30 Euro. Es stehen zehn Plätze zur Verfügung. Eine Anmeldung ist bis zum 1. Dezember 2025 möglich ( kontakt@brand-sanierung.de , 01784473097). Die Ausstellung „Dem eigenen Kompass folgen – Künstlerinnen und ihre Wege“ kann nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden ( kontakt@brand-sanierung.de , 01784473097). Zudem finden in der Galerie BRAND-SANIERUNG (Novalisstraße 13) jeden ersten Sonntag und letzten Samstag im Monat, um 15 Uhr Sonderführungen durch die Ausstellung statt.