Stadt & Ortsteile

Liebe Weißenfelserinnnen, liebe Weißenfelser,

ich weiß ja nicht, wie Ihre Gefühlslage im Moment aussieht, aber mir persönlich ist leider alles andere als „vorweihnachtlich“ zumute. Unabhängig davon ging mir in dieser Pandemie ein guter Teil des Zeitgefühls verloren. Ich zumindest muss mich von Zeit zu Zeit fragen, war das 2019? Oder doch 2020? Vielleicht erst vor wenigen Monaten? Es bleibt seit dem Zeitpunkt, als das neuartige Corona-Virus in unser aller Leben trat, die stete Problematik: Können wir das gesellschaftliche Leben, Konzerte, Märkte planen? Welche Risiken geht die Stadt ein? Bestehen Gefahren für die Gesundheit der Bürger und Bürgerinnen? Was können wir unseren Partnern zumuten, wenn wir kurzfristig absagen müssen? Und ich kann Ihnen versichern, dass das alles ein immenser Mehraufwand ist. Das stellt aber nur die eine Seite der Medaille dar, wenn auch für die meisten von Ihnen die sichtbarere. Die andere Seite ist die Gewährleistung  unserer tagtäglichen Arbeit. Die Sicherung der Kinderbetreuung, der Straßen und Gebäude und so ganz nebenbei die Umsetzung unseres Investitionsprogrammes, dessen Schwerpunkte seit Jahren auf Schulen und Kitas liegt. Und während einige Projekte fertig oder „auf der Ziellinie“ sind wie zum Beispiel in Großkorbetha, Tagewerben oder auch die Einstein- oder Herderschule, starteten weitere. Dazu zählen der Kita-Neubau in Uichteritz (und im Anschluss die dortige Grundschule) oder der Neubau der Grundschule in Langendorf. So ganz nebenbei nimmt auch unsere sanierte Schwimmhalle Gestalt an. Na ja, über die Schwierigkeiten wie den Material- und Fachkräftemangel hatte ich ja schon berichtet. Letzteren gibt es auch in den eigenen Reihen. Mittlerweile sind auch aus dem gleichen Grund viele Unternehmen am Limit. Wir merken das immer öfter, wenn wir Ausschreibungen aufheben müssen (um erneut zu starten) oder Firmen in Verzug sind. Oft können wir nicht gegensteuern und uns „laufen“ im Ergebnis Zeit und Geld „davon“. Respekt an alle Beteiligten, die auch unter so widrigen Umständen immer wieder Projekte fertigstellen, und ein großes Dankeschön.

Doch zurück zur Adventszeit. Klar, unter Corona-Bedingungen ist nichts normal. Und so musste ich schweren Herzens auch dieses Jahr die Höfische Weihnacht absagen. Ich habe es wie viele von Ihnen alljährlich genossen, mit  Freunden und Bekannten „um den Block zu ziehen“, Menschen zu treffen, die man sonst das ganze Jahr nicht sieht und einfach die vorweihnachtliche Stimmung zu genießen. Idealerweise mit gemeinsamem Singen im Geleitshaus, insofern man einen Platz ergattern konnte. Tja, und jetzt mit Corona? Ich möchte ja niemandem zu nahe treten, aber selbst die strengsten Regeln 3G, 2G oder 2G + (also geimpft und genesen mit zusätzlichem Test) sind sicher gut gemeint, aber in der Realität nicht durchzusetzen. Damit bleibt die Ansteckungsgefahr bestehen. Zudem ist eine Kontrolle der ganzen Nachweise angeordnet. Und da muss ich auch an meine Kollegen und Kolleginnen des Ordnungsamtes denken, denn die müssten ja im Zweifelsfall als „Spaßbremse“ auf Kontrollgang gehen. Eine Vorstellung, die sicher nicht zur Vorweihnachtsfreude beiträgt.
Und zur Corona-Pandemie selbst, was soll ich dazu sagen? Es gab einmal eine Fernsehsendung, die hieß „Pleiten, Pech und Pannen“. Das umschreibt die Situation ziemlich genau: Mal Masken-, dann Impfstoffmangel. Lockdown, Shutdown über Ostern oder doch nicht. Dann mal Leerlauf, weil ja erst einmal ein Kanzlerkandidat gesucht wurde, und jetzt wieder, da ja keine neue Regierung steht. Dazwischen diverse Ministerpräsidentenkonferenzen und ganz viel Hoffnung. Impfzentren? Schließen! Wird schon nicht so schlimm. Toll, könnte mal jemand das Virus um Verständnis bitten? Im Ernst, letztens verglich eine Bürgerin eine Impfpflicht mit dem zwangsweisen Anordnen des Anlegens der Sicherheitsgurte im Auto. Das war 1976 (DDR 1980) und nicht mehr alle werden sich daran erinnern. Zu Beginn undenkbar, obwohl bekannt war, dass es lebensrettend sein kann. Freiwillig? Unabhängig der Gewohnheit  bedurfte es der Androhung eines Bußgelds und auch heute noch eines nervenden Piepstons, wenn Autoinsassen das Anschnallen ignorieren. Wir Menschen sind nun mal so gepolt, dass freiwillig im Regelfall etwas nur funktioniert, wenn ein persönlicher Nutzen daraus generiert wird. Ansonsten gilt oft: „Koste es, was es wolle.“ Aktuell kostet uns das eine besinnliche Weihnachtszeit. Im harmlosesten Fall.

Trotzdem möchte ich recht optimistisch in die Zukunft schauen. Die Gruppe der Geimpften wächst von Tag zu Tag. Erkrankungen mit Impfschutz verlaufen zumeist mit deutlich geringeren Symptomen und endlich gibt es auch für Kinder ab 12 Jahren und Jugendliche die Chance, sich schützen zu lassen. Spätestens im Frühjahr – so hoffe ich - könnte die gute, alte Normalität zurückkehren. Bis dahin sollten wir gut auf uns und unsere Liebsten aufpassen. Eben doch einmal einen Schritt zurücktreten und die bewährte Maske öfter einmal aufsetzen, damit die anstehenden Festtage gemeinsam und bei guter Gesundheit gefeiert werden können. Ich wünsche Ihnen heute schon eine frohe Weihnacht.

Herzlichst
Robby Risch
Oberbürgermeister

© Katharina Vokoun E-Mail

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