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Erstes Treffen des Arbeitskreises zur Gleichstromtrasse

Das Umspannwerk in Bad Lauchstädt ist der Ausgangspunkt für die Südwest-Kuppelleitung (Foto: 50Hertz Transmission GmbH)

Über den aktuellen Stand der Gleichstrompassage Süd-Ost informierten am Montag, 27. Oktober, in Weißenfels Vertreter von 50Hertz und der Bundesnetzagentur. Vor Ort waren unter anderem der Bundestagsabgeordnete Roland Claus, Stefan Leier als Vertretung des Bundestagsabgeordneten Dieter Stier, Landrat Götz Ulrich sowie Vertreter der betroffenen Regionen. Die Arbeitsgruppe hatte Oberbürgermeister Robby Risch ins Leben gerufen.

Axel Happe, Projektsprecher des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, klärte die Anwesenden zunächst über den aktuellen Stand der Trassenplanung auf. Derzeit arbeite man noch am Antragsentwurf. Ziel des folgenden Planungsverfahrens ist die Festlegung eines Korridors von mindestens 1.000 Metern Breite für eine 450 Kilometer lange Trasse von Bad Lauchstädt nach Mettingen. Insgesamt 67 Korridorabschnitte für die Ost-West-Verbindung seien ermittelt worden. Auch wenn der aktuell bevorzugte Korridor an der A9 entlangführt, betonte Happe: „Eine Festlegung auf eine bestimmte Route ist noch nicht getroffen. Über den endgültigen Korridor entscheidet die Bundesnetzagentur am Ende der ersten Planungsetappe.“

Zudem stehe die Abgabe des zweiten Entwurfs des Netzentwicklungsplans 2014 an die Bundesnetzagentur bevor. Der jährlich erstellte Plan definiert den Netzausbaubedarf aus Sicht der Übertragungsnetzbetreiber. Ergäben sich darin Änderungen an den Start- und Endpunkten der Gleichstrompassage, könnte sich dies nach Bestätigung von Bundesnetzagentur und Gesetzgeber auch auf die aktuellen Korridorplanungen auswirken.

Bleibt es bei der bekannten Verbindung, könnte Anfang 2015 ein Antrag für den Vorzugskorridor bei der Bundesnetzagentur eingereicht und damit das Planungsverfahren mit dem ersten Schritt – der Antragskonferenz zur Bundesfachplanung – eingeleitet werden. Jedoch sei mit der Einreichung des Antrages noch nichts entschieden, und auch das formelle Verfahren biete im folgenden Verlauf Möglichkeiten der Beteiligung.

„Wir haben uns dazu entschieden, die betroffenen Bürger schon frühzeitig in der Planungsphase zu informieren, auch wenn wir zu diesem Zeitpunkt viele Fragen noch nicht beantworten können“, sagte Happe. So konnte er beispielsweise keine Angaben zu den genauen Standorten der Masten machen, da diese erst im Planfeststellungsverfahren festgelegt werden. Entwarnung gab er hinsichtlich der Masthöhe: „Sie werden voraussichtlich in Form und Höhe etwa so aussehen wie bekannte 380-kV-Höchstspannungsmasten.“ Geplant werde derzeit mit einer Höhe von unter 65 Metern, mit zwei Querträgern und zwei mal drei Leiterseil-Bündeln.

Seine Bedenken zur geplanten Trasse äußerte Horst Ziegler, Ortsbürgermeister von Langendorf: „Borau/Kleben sowie die Passage Langendorf-Prittitz-Gröbitz sind Problemschwerpunkte. Die dortigen Bewohner haben die Autobahn, sie erdulden die Blitzlichter der Windkraftanlagen und jetzt soll ihnen auch noch diese Stromtrasse vor die Haustür gesetzt werden. Da muss eine Lösung her!“ Heinz-Jürgen Scheid, Leiter der Abteilung Netzausbau der Bundesnetzagentur, stimmte dieser Einschätzung zu. Vor allem Kleben liege sehr nah an der Autobahn. Eine Möglichkeit, die seit der Novelle des EEG bestehe, sei die Erdverkabelung. Diese Option müsse durch 50Hertz geprüft werden. Fest stehe, versicherte Bernhard Segbers, Projektleiter bei 50Hertz, dass das Überspannen oder Durchqueren von Siedlungsbereichen mit Freileitungen nicht in Betracht komme. Zudem gehöre Weißenfels zu den Regionen, für die aktuell die Option einer Erdverkabelung geprüft werde.

Klärungsbedarf gab es auch in Sachen gesundheitliche Risiken. Happe verwies hier auf Untersuchungsergebnisse, die die Strahlenschutzkommission 2013 veröffentlicht hatte. Es gebe keinen Nachweis einer negativen Auswirkung von niederfrequenten elektrischen und magnetischen Feldern, wie sie durch Stromleitungen oder Haushaltsgeräte verursacht werden, und der Gesundheit des Menschen. Zudem sei selbstverständlich sichergestellt, dass die geltenden Grenzwerte von 500 Mikrotesla für magnetische Gleichfelder eingehalten werden. Im durchschnittlichen natürlichen Erdmagnetfeld seien in Deutschland Messwerte von rund 40 Mikrotesla typisch. Die Feldstärken der aktuell geplanten Gleichstromleitung lägen nach derzeitiger Kenntnis, auch direkt unter der Leitung, voraussichtlich eher darunter.

Abschließend luden die Vertreter von 50Hertz die Anwesenden, wie auch alle Bürgerinnen und Bürger ein, sich mit Fragen direkt an das Unternehmen zu wenden. Im Bereich „Netzausbau“ unter www.50hertz.com gebe es zahlreiche Projektinfos. Darunter auch die Anmeldung für einen Newsletter und Telefonnummern für den persönlichen Kontakt. Versprochen wurde: Sollte es weiteren Klärungsbedarf geben, oder einen neuen Planungsstand, komme man jederzeit gerne wieder in die Region.


Bereits Anfang September gab es eine erste nicht-öffentliche Diskussionsrunde zum Thema Gleichstrompassage in Weißenfels, bei der die Teilnehmer Problemschwerpunkte aufgezeigt und die Informationsarbeit seitens der Trassenplaner bemängelt hatten. Auf dieser Grundlage erstellte die Stadt einen Fragenkatalog, der durch die Bundestagsabgeordneten Stier und Claus zur Beantwortung an 50Hertz und an die Bundesnetzagentur weitergeleitet wurde.

© Katharina Vokoun E-Mail

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