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Ein neues Clavichord für das Heinrich-Schütz-Haus

Dr. Maik Richter (links) ist begeistert, dass der Leipziger Instrumentenbauer Martin Schwabe ein Clavichord ähnlich dem gebaut hat, welches bereits als Dauerleihgabe des Halleschen Händelhauses im Heinrich-Schütz-Haus steht. ©Stadt Weißenfels, Anke Fey

„Ab sofort haben wir ein Clavichord für Konzerte und zur Unterstützung medienpädagogischer Angebote hier im Heinrich-Schütz-Haus zur Verfügung“, sagte Manfred Hoyer freudestrahlend. Der Vorsitzende des Weißenfelser Musikvereins „Heinrich Schütz“ e.V. nahm das Tasteninstrument symbolisch im Beisein des Vorstandes und des Leiters des Heinrich-Schütz-Hauses Weißenfels Dr. Maik Richter am 9. Juni 2021 vom Erbauer Martin Schwabe entgegen. Letzterer berichtete anschließend von der Erbauungsgeschichte.

Bereits im Jahr 2019 hatte Dr. Maik Richter bei ihm angefragt, ob er im Auftrag des Weißenfelser Musikvereins ein Clavichord bauen könne. Es sollte jenem ähneln, welches sich als Dauerleihgabe des Halleschen Händelhauses bereits im Weißenfelser Heinrich-Schütz-Haus befindet. Dieses um 1700 gebaute Original kann allerdings nicht bespielt werden. Es ist in der Dauerausstellung im Heinrich-Schütz-Haus zu sehen. Dem Wunsch des Nachbaus kam Martin Schwabe als Leipziger Spezialist für barocke Tasteninstrumente gern nach.

Das neue Instrument, von dem erste Ausführungen bereits im 15. Jahrhundert erklangen, ist aus diversen Hölzern gebaut. So wurde bei dem nun ebenfalls im Heinrich-Schütz-Haus stehenden Clavichord-Neubau Fichte, Linde, Buche, Ahorn, Pappel- und Ebenholz verarbeitet. Aber auch Rinderknochen fanden Verwendung. Mit ihnen ist unter anderem die Klaviatur belegt. Mechthild Winkler, die das neue Clavichord erstmalig zum Erklingen brachte, erläuterte die Namensgebung: „Chorda heißt ‚Seite‘ und Clavis bedeutet so viel wie ‚Schlüssel‘.“ Früher wurde die Bezeichnung quasi auf die Tastatur geschrieben. Somit war sie der Schlüssel zum Bedienen des Instruments. „Im 18. Jahrhundert diente ein Clavichord oft als Haus- und Übungsinstrument“, sagte sie weiter. „So auch für Johann Sebastian Bach und seine Söhne.“

Das neue Clavichord wird als Dauerleihgabe des Musikvereins an die Stadt Weißenfels im ersten Stock des Weißenfelser Heinrich-Schütz-Hauses neben einem Cembalo stehen, das ebenfalls aus der Werkstatt Schwabes kommt. Dieses ist bereits seit mehr als 25 Jahren im Besitz des Musikvereins.
Der Erwerb des neuen Instruments wurde ausnahmslos durch Spenden an den Musikverein finanziert und kostete insgesamt rund 10.000 Euro.

Im Rahmen des Heinrich Schütz Musikfestes 2021 wird das Heinrich-Schütz-Haus am 13. Oktober 2021 abends ein erstes öffentliches Clavichord-Konzert veranstalten. Mechthild Winter spielt dann unter anderem Werke des Weißenfelser Hofkapellmeisters Johann Philipp Krieger und seines Zittauer Bruders Johann Krieger. Aber es werden auch Stücke von Johann Sebastian Bach, seinem Sohn Wilhelm Friedemann Bach sowie Musik des 17. Jahrhunderts erklingen. Genauso sollen Stücke von Freunden und Kollegen von Heinrich Schütz zu hören sein. Von Schütz selbst ist leider keine Musik für Tasteninstrumente erhalten geblieben.

© Katharina Vokoun E-Mail

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