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Letzte Vorbereitungen für Dynastiegewitter im Museum Weißenfels

In insgesamt vier Ausstellungsräumen dreht sich alles um einen verbissen geführten Streit über Kirche und Glaube.

Die Vorbereitungen für die Sonderausstellung „Dynastiegewitter. August der Starke versus Herzog Christian“ im Museum Weißenfels im Schloss Neu-Augustusburg laufen auf Hochtouren. Bis zur Vernissage am 29. September 2017, um 17 Uhr in der  Schlosskirche St. Trinitatis (Zeitzer Straße 4) müssen noch einige hochwertige Ausstellungsstücke ins rechte Licht gerückt werden.

In insgesamt vier Ausstellungsräumen dreht sich alles um einen verbissen geführten Streit über Kirche und Glaube. Während August der Starke nahezu über Nacht zum katholischen Glauben wechselte, um sich die polnische Königskrone zu sichern, war Herzog Christian ein eingefleischter Lutheraner. Der Weißenfelser entwickelte sich zu einem der größten Kritiker des Kurfürsten und löste damit ein wahres Gewitter der Dynastien aus, welches darin endete, dass der „kleine“ Herzog Christian behauptete, er sei der rechtmäßige Repräsentant von Kursachsen. „Die Sonderausstellung Dynastiegewitter ist der Weißenfelser Beitrag zum Reformationsjahr“, sagt Museumsleiter Aiko Wulff. „Anhand von zwei Personen werden die Auswirkungen des Umschwungs gezeigt.“

Die Besucherinnen und Besucher dürfen sich auf mehr als 100 hochrangige Ausstellungsstücke von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und anderen Leihgebern freuen. Ein solch umfassender Kulturschatz war im Schloss Neu-Augustusburg seit der Herzogszeit nicht mehr zu sehen. Zu den Ausstellungsstücken gehören auch persönliche Gegenstände von Herzog Christian, die zuletzt vor 250 Jahren in Weißenfels waren. Sie vermitteln dem Betrachter nicht nur ein Bild von der damaligen Zeit, sondern geben auch einen Eindruck vom Leben des Regenten. So wird ein außergewöhnliches Jagdgewehr zu sehen sein, mit dem der passionierte Jäger Herzog Christian in den Wäldern rings um Weißenfels unterwegs war. Außergewöhnlich deshalb, weil es speziell für den fast erblindeten Christian angefertigt wurde. Der wollte auf seine Leidenschaft trotz schwindender Sehkraft nicht verzichten und ließ einen zweiten Schaft an das Gewehr anbauen. Zusammen mit einem Helfer, der für ihn zielte, konnte der Herzog auf diese Weise weiter der Jagd nachgehen. Passend zur Jagdpassion Christians wird auch eine alte Wildbret-Waage gezeigt, die damals im Schloss Neu-Augustusburg genutzt wurde.

Ein weiteres Highlight ist die Herzogsloge, die im Rahmen der Sonderausstellung „Dynastiegewitter“ erstmals wieder für Besucherinnen und Besucher geöffnet wird. Der Herzog, seine Ehefrau und die Kinder verfolgten dort einst Gottesdienste und Konzerte. Der Raum ist kaum wiederzuerkennen, denn in den vergangenen Jahren nutzte ihn das Museumsteam als Lager. Nun wurde er umgestaltet. In Vitrinen sind unter anderem die Großenhainer Kirchenagenda und der Sangerhauser Kirchenschatz ausgestellt. Letzterer wurde in dieser Vollständigkeit noch nie der Öffentlichkeit präsentiert. Durch die großen Fenster der Loge – die übrigens noch aus der Herzogszeit stammen und für die Wiedereröffnung restauriert wurden – können Gäste künftig in die Schlosskirche schauen. Ein Anblick, der ihnen aus dieser Perspektive bisher verwehrt blieb.

Zur Eröffnung der Sonderausstellung „Dynastiegewitter. August der Starke versus Herzog Christian“ am 29. September 2017, um 17 Uhr in der Schlosskirche St. Trinitatis hält Dr. Bernhard Roosens von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden einen Vortrag über das Ausstellungsthema. Kurator Joachim Säckl lädt die Gäste anschließend zu einer Sonderführung ein. Die Vernissage wird musikalisch begleitet vom Ensemble Capella Thuringia. Schirmherr des „Dynastiegewitters“ ist Staatsminister Rainer Robra. Zur Vernissage sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger herzlich eingeladen.

© Katharina Vokoun E-Mail

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