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Weißenfels wird erneut zur Stadt der vielen Baustellen

Der grundhafte Ausbau der Leipziger Straße im Abschnitt zwischen der  Großen Burgstraße und der Promenade soll voraussichtlich im April 2021 abgeschlossen werden. ©Stadt Weißenfels

Gähnende Leere in den Einkaufsstraßen und Kultureinrichtungen. Doch einer Branche scheint Corona nichts anhaben zu können. Weißenfels bleibt auch im Jahr 2021 die Stadt der vielen Baustellen. Etwa 18,8 Millionen Euro werden in den kommenden Monaten für diverse Bauvorhaben ausgegeben. Dabei ist es der Stadt gelungen, dass rund 7,2 Millionen Euro der Gesamtkosten über verschiedene Förderprogramme finanziert werden können. Trotzdem wird die Stadt Weißenfels wohl einen Kredit in Höhe von etwa 5,8 Millionen Euro aufnehmen müssen.

Bildungseinrichtungen
Ein Schwerpunkt des Städtebaus liegt weiterhin auf der Sanierung und Erneuerung von Bildungseinrichtungen. Die allgemeine und energetische Sanierung der Herderschule soll Ende 2021 abgeschlossen werden. Seit Mitte 2019 laufen die Bauarbeiten in der Nordstraße. Die Sanierung wird über das Programm STARK III mit insgesamt etwa 2,26 Millionen Euro gefördert. Die Gesamtkosten belaufen sich auf etwa 7,34 Millionen Euro. Davon sind mehr als 1,3 Millionen Euro nicht im Rahmen des Stark-III-Projektes förderfähig. Um den Energieverbrauch zu senken, wurde beispielsweise in der Grundschule und in der dazugehörigen Turnhalle die komplette Anlagentechnik erneuert. So wurden Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung sowie neue Wasser- und Abwasseranlagen verbaut. In der Turnhalle wurden unter anderem Fenster und Türen ausgetauscht, das Dach und der Fußboden erneuert und die Fassade gedämmt. Zwei zusätzliche Treppenhäuser am Nord- und Südgiebel des Schulgebäudes wird es aufgrund von Brandschutzauflagen künftig geben. Eines davon wird im Sinne der Barrierefreiheit mit einem Aufzug ausgestattet. Ein großer Teil der Arbeiten steht 2021 noch auf dem Plan. Unter anderem müssen die Außenanlagen neu gestaltet werden. Ob der Fertigstellungstermin Ende 2021 gehalten werden kann, wird auch ein Stück weit von den Auswirkungen der Corona-Pandemie abhängen.

In den letzten Zügen befinden sich die Arbeiten an der Grundschule Tagewerben. Im Schulgebäude ist lediglich noch die Nutzereinweisung offen, die coronabedingt im kleinen Personenkreis stattfindet. Die Gesamtkosten für das Bauvorhaben in der Grundschule und im Hort Tagewerben belaufen sich auf etwa 2,3 Millionen Euro. Das Land Sachsen-Anhalt fördert die Maßnahme über eine Richtlinie für finanzschwache Kommunen im Stark-V-Projekt mit etwa 892.000 Euro. Außerdem werden in den Jahren 2021 und 2022 die Sanitäranlagen der Turnhalle und die Außenanlagen saniert. Dafür sind im Haushalt insgesamt 800.000 Euro eingeplant.

In der Albert-Einstein-Grundschule wird die Turnhalle saniert und die Außenanlagen werden hergerichtet. Die Turnhalle soll nach den Sommerferien wieder für den Sportunterricht zur Verfügung stehen. Das Freigelände wird komplett saniert. Es werden Versorgungsleitungen erneuert und die gesamte Fläche neu gestaltet (Spielfläche erneuern, Bäume pflanzen, neuen Aufenthaltsbereich errichten,…). Auch bei der Einsteinschule profitiert die Stadt Weißenfels vom STARK-III-Projekt. Allerdings werden nur Fördergelder für Arbeiten an der Turnhalle zur Verfügung gestellt. Der Schwerpunkt liegt auf der energetischen Sanierung.

Auch die nächsten Sanierungsprojekte stehen schon in den Startlöchern. So beginnen für die Grundschule Langendorf, die Grundschule Uichteritz und die Kita „Sonnenkäfer“ in Uichteritz im Jahr 2021 vorbereitende Planungen. Mit sichtbaren Bautätigkeiten ist bei allen drei Projekten in den kommenden Monaten aber noch nicht zu rechnen. Für die Grundschule Langendorf könnten gegen Ende des Jahres die ersten Ausschreibungen beginnen. Für die Grundschule Uichteritz wird geprüft, ob ein Förderantrag erfolgsversprechend ist. Eine Absage für Fördermittel erhielt die Stadt Weißenfels hingegen bereits für den Neubau der Kita Uichteritz. Das rund 2,7 Millionen Euro teure Vorhaben soll nun ausschließlich mit städtischen Eigenmitteln umgesetzt werden. Baulich ist das gleiche Konzept wie beim Neubau der Kita Großkorbetha vorgesehen. Das spart in der Planung sowohl Geld als auch Zeit.

Neben den Kitas und Schulen widmet sich das Hochbau-Team der Stadt Weißenfels auch der Stadtbibliothek. Die Einrichtung erhält einen Medienraum. Für die Bauarbeiten sind 150.000 Euro im Haushalt eingeplant. Für den Medienraum werden zwei Zimmer im hofseitigen Trakt des Gebäudes zusammengelegt. Aufgrund des neuen Grundrisses müssen bauliche und brandschutzrechtliche Forderungen eingehalten werden. Unter anderem wird eine zusätzliche Tür für den zweiten Rettungsweg eingebaut.

Mammutprojekte Rathaus und Schloss Neu-Augustusburg
Ein Highlight im Städtebau war 2020 die Fertigstellung der Sanierungsarbeiten im Rathaus. Es war neben dem Schloss eines der städtischen Mammutprojekte. Die Suche nach Fördermöglichkeiten, ergebnislose Ausschreibungen sowie der Spagat zwischen Denkmalschutz, Brandschutzauflagen und Alltagstauglichkeit haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hochbaus zeitweise an die Grenzen der Verzweiflung gebracht. Doch im Dezember 2020 konnten Oberbürgermeister Robby Risch und sein Team nach sieben Jahren das Interim verlassen und an ihre alte Wirkungsstätte zurückkehren. Beim Blick auf das Gebäude wird aber schnell klar, dass mit der Sanierung der Innenräume das Bauprojekt „Rathaus“ noch nicht abgeschlossen ist. So sind in den Haushalten 2021 und 2022 etwa 455.000 Euro für die Fassadensanierung eingeplant. Vorgesehen ist, Schadstellen im Mauerwerk auszubessern, Fugen zu verpressen und erforderliche Natursteinarbeiten auszuführen. Abschließend wird die Fassade im selben Gelbton gestrichen, der auch schon für den Rathausturm verwendet wurde. All diese Arbeiten werden planerisch in diesem Jahr vorbereitet.

Fortschritte machen auch die Sanierungsarbeiten am Schloss Neu-Augustusburg. Diese sind jedoch weniger sichtbar als beim Rathaus, weil sie weiterhin ausschließlich im Inneren des Gebäudes stattfinden. So wird im Jahr 2021 der nördliche Westflügel weiter statisch gesichert. Insgesamt 725.000 Euro sind dafür im Haushalt eingeplant. Die Arbeiten finden an der Querwand unter dem Thronsaal des Museums statt, weshalb die Barockausstellung auch im Jahr 2021 weiterhin gesperrt bleiben muss. Im Rahmen der Notsicherung fand das Bau-Team immense Schäden vor, sodass sich die Sanierungsmaßnahmen in den Folgejahren bis zu den Turmfundamenten im Kellergeschoss erstrecken werden.

Im Schloss wird auch der Südflügel weiterhin statisch gesichert. Die Baumaßnahme wird über das Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ unter dem Titel „verSCHLOSSene Räume“  gefördert. Aufgeteilt in Jahresscheiben erhält die Stadt Weißenfels insgesamt 2,1 Millionen Euro. Die Förderung läuft Ende 2021 aus. Im letzten Jahr des Programms fließen noch einmal 300.000 Euro in die statische Sicherung des Südflügels. Auch die künftige Nutzung dieses Schlossabschnittes steht mittlerweile fest. Das Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung (ALFF) wird ab dem Jahr 2025 seinen Sitz auf Neu-Augustusburg haben. Die konkreten Anforderungen des Landes in Punkto Raumgestaltung kennt die Stadt Weißenfels bereits. Um den Südflügel als Verwaltungsstandort zu nutzen, ist ein umfangreicher Innenausbau notwendig. So müssen zum Beispiel Grundrisse verändert werden. Um einen barrierefreien Zugang zu der Landesbehörde zu ermöglichen, ist der Einbau eines Fahrstuhls nötig. Die Gesamtkosten für den Innenausbau schätzen die Verantwortlichen auf mehr als 20,5 Millionen Euro. Die Stadt Weißenfels hat einen Fördermittelantrag beim Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ für den Zeitraum 2021 bis 2025 gestellt. Mit einer Entscheidung wird im März 2021 gerechnet.

Tiefbau
Fleißig gewerkelt wird auch im Tiefbau. Autofahrer müssen sich in diesem Jahr wieder auf Straßensperrungen einstellen. Der grundhafte Ausbau der Leipziger Straße im Abschnitt zwischen der Großen Burgstraße und der Promenade soll voraussichtlich im April 2021 abgeschlossen werden. Das Ende der Bautätigkeit ist damit vor Ort jedoch noch nicht erreicht. Der nächste Bauabschnitt in der Leipziger Straße reicht vom Töpferdamm bis einschließlich zum Einmündungsbereich Hohe Straße. Auch hier arbeitet die Stadt wieder mit der Abwasserbeseitigung Weißenfels AöR und den Stadtwerken Weißenfels zusammen. So wird die AöR vor Ort zunächst neue Abwasserkanäle verlegen und die Stadtwerke werden punktuell an der Wasserleitung arbeiten.  Abschließend baut die Stadt die Straße und die Gehwege aus und errichtet eine neue Straßenbeleuchtung. Im Rahmen der Baumaßnahme wird auch die marode Stützwand im Bereich der Hohen Straße erneuert und die angrenzende Straße wird grundhaft ausgebaut. Der Baubeginn ist für das erste Halbjahr 2022 geplant. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis ins Jahr 2023 hinein andauern. Die Kosten in diesem Bauabschnitt werden für die Stadt Weißenfels auf 2,2 Millionen Euro geschätzt.

Vor der Erneuerung der großen Saalebrücke im Jahr 2023 durch die Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt geht die Stadt Weißenfels das Projekt „Straße Am Güterbahnhof“ an. Vor Ort soll die Straße erneuert werden. Zudem entstehen ein Park-and-Ride-Parkplatz, zwei Bushaltestellen mit Wendeschleife und ein barrierefreier Zugang zum Fußgängertunnel unter den Bahngleisen. Die Gesamtkosten für das Vorhaben belaufen sich auf etwa 2,2 Millionen Euro. Fördermittel wurden bei der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH beantragt. Im Jahr 2021 sind bauvorbereitende Arbeiten geplant. So befinden sich auf dem Baugrund Elektroanlagen der Deutschen Bahn, welche in Benutzung sind und folglich verlegt werden müssen. Die Arbeiten können nur während einer Sperrung des Bahnbetriebs erfolgen. Am Bahnhof Weißenfels werden deshalb voraussichtlich im Herbst für kurze Zeit keine Züge fahren.  

Rege Bautätigkeit sollte eigentlich auch am Löbicken Anger im Jahr 2021 herrschen. Vor Ort sollte die Nordanbindung an die Bundesstraße 91 errichtet werden. Die Investitionsbank Sachsen-Anhalt unterstützt das Vorhaben mit Fördermitteln in Höhe von 240.000 Euro. Aufgrund eines Klageverfahrens ruhen die Vorbereitungen jedoch. Selbst bei einem schnellen Verfahrensverlauf ist nicht vor Ende 2022 mit einem Baubeginn zu rechnen.

Nicht nur für die Autofahrer wird in Weißenfels einiges getan. In den Fokus rücken auch die Fahrradfahrer. So hat der Stadtrat im vergangenen Jahr beschlossen, dass die Stadt Weißenfels jährlich pro Einwohner zehn Euro in den Ausbau und die Pflege des Radwegenetzes investieren soll. Für das Jahr 2021 sind folglich 410.000 Euro im Haushalt für Radwege eingeplant. Noch im vergangen Jahr hatte der Burgenlandkreis signalisiert, dass er den Kommunen Fördermittel für die Entwicklung des Radverkehrs zur Verfügung stellen möchte. Die Stadt Weißenfels hat daraufhin eine Liste mit 20 Projektvorschlägen eingereicht. Die Aufzählung sieht unter anderem einen Radweg zwischen Weißenfels und Uichteritz entlang des Weges zur Marienmühle, einen Radweg zwischen Langendorf und der Kreuzung am Firmensitz der MEG und einen Radweg von Tagewerben über Reichardtswerben bis zur Hasse vor. Auch ein Lückenschluss von Großkorbetha über Bäumchen zum Südfeldsee und der Ausbau des Kastanienweges in Langendorf zum Freibad wären der Stadt Weißenfels zufolge wünschenswert. In Abhängigkeit davon in welchem Umfang die Saalestadt Fördermittel erhält, werden die Projektverantwortlichen zusammen mit den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Rad des Stadtrates beraten, welche Vorschläge umgesetzt werden. Einige Maßnahmen wie beispielsweise Fahrbahnmarkierungen könnten sogar noch in diesem Jahr in Angriff genommen werden.  

© Katharina Vokoun E-Mail

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