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Zu Gast bei Novalis

Mit Novalis steht einer der berühmtesten Söhne der Stadt im Mittelpunkt der Jahrestagung von Exil-P.E.N. Der frühromantische Dichter lebte bis zu seinem Tod in der Saalestadt.

Die Jahrestagung des Internationalen Exil-P.E.N., Sektion deutschsprachige Länder, findet in diesem Jahr in Weißenfels statt. Die Mitglieder sind vom 27. bis 29. Oktober 2017 im Fürstenhaus (Leipziger Straße 9) zu Gast. Die Teilnahme literarisch interessierter Bürgerinnen und Bürger ist an allen Lesungen und Vorträgen kostenlos. Lediglich die Mitgliederversammlung am Samstag, von 16 bis 18 Uhr ist eine geschlossene Veranstaltung.

Den Tagungsort haben die Exil-P.E.N.-Mitglieder mit Bedacht gewählt. So steht gleich zur Eröffnung einer der berühmtesten Söhne der Stadt im Mittelpunkt. Zunächst wird am 27. Oktober, um 16:15 Uhr Prof. Dr. Wolfgang Schlott, Präsident des Exil-P.E.N., ein kurzes Grußwort an die Gäste richten. Ihm folgen im halbstündigen Rhythmus Vorträge über den frühromantischen Dichter Georg Philipp Friedrich von Hardenberg – alias Novalis –, der ab 1786 bis zu seinem frühen Tod im  heutigen Weißenfelser Novalishaus lebte. Die Referenten sind namenhafte Professoren wie Prof. Dr. Wolfgang Schlott („Prolog zu Novalis“), Prof. Dr. Elmar Schenkel („Ex oriente lux – Novalis, Europa und Indien“) und Prof. Dr. Ludwig Stockinger („Novalis‘ Hymnen an die Nacht“).

Im Laufe der Tagung finden zahlreiche Schriftstellerlesungen statt. Noch am Eröffnungstag spricht von 18:30 bis 19 Uhr der Autor Hans Bergel, der sich mit zahlreichen Romanen, Erzählungen und Gedichten sowie essayistischen Kulturaufsätzen einen Namen gemacht hat. Am nächsten Tag folgt um 10 Uhr eine „Literarische Stadtführung“ mit Studienrat Jörg Riemer, dem Vorsitzenden der Novalis-Gedenkstätte. Über das Thema „Grenzgänger – Novalis und seine Europarede“ spricht Katharina Kilzer von 14 bis 14:30 Uhr in ihrem Vortrag. Im Anschluss stellen sich die neuen Mitglieder des Exil-P.E.N. mit kurzen Lesungen vor: Dr. Olivia Spiridon, Erwin Josef Tigla, Vougar Aslanov, Edith Ottschofski und Barbara Zeizinger (14:30 bis 15:50 Uhr). Weitere neu aufgenommene Mitglieder wie Katharina Eismann, Tamara Labas und Iris Wolff stellen sich am 29. Oktober, von 10 bis 10:45 Uhr  vor. Im Anschluss lesen von 11 bis 11:45 Uhr die Schriftsteller Ilse Hehn, Horst Samson und Hellmut Seiler aus ihren neuesten Büchern.

Informationen zum Exil-P.E.N./ Sektion deutschsprachiger Länder:
Exil-P.E.N./ Sektion deutschsprachiger Länder ist eine Vereinigung von Schriftstellern, die sich aufgrund politischer Verfolgung gezwungen sahen, nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz zu emigrieren.D
ie Entstehung des Exil-P.E.N. deutschsprachiger Länder im International P.E.N. geht in der informellen Gründungsphase auf eine nach 1948 aus kommunistischen Staaten geflüchtete Gruppe von Schriftstellern und Journalisten zurück. Es war eine Organisation von Autoren aus Ostmitteleuropa und der Iberischen Halbinsel, die sich in London herausbildete. Aufgrund der Bemühungen der polnischen Schriftstellerin Maria Kuncewiczowa wie auch dem Engagement von Autoren aus Ungarn, der Tschechoslowakei und den baltischen Ländern entstand das Centre for Writers in Exile, das im Juni 1951 in Lausanne ins Leben gerufen wurde. Dieses Zentrum diente als Vorbild für den zunächst losen Zusammenschluss der aus osteuropäischen Staaten geflüchteten Autoren, die in der Bundesrepublik Deutschland vor allem nach 1956 aus Ungarn und nach 1968 aus der Tschechoslowakei Asyl suchten. Seit den 1980er Jahren wurden auch Schriftstellerinnen und Schriftsteller aufgenommen, die wegen antisemitischer Ausschreitungen und nationalistisch motivierter Verfolgungen ihre Heimat in mittelasiatischen Sowjetrepubliken und in Russland verlassen mussten. Hinzu kamen nach 1990 aus politischen Gründen verfolgte Autoren aus dem Iran, Syrien, Vietnam, Togo, Kuba wie auch eine Gruppe von Schriftsteller/innen, die aufgrund nationalistischer Diskriminierungen ihre angestammten Lebensräume in Südosteuropa aufgeben mussten.
Gegenwärtig gehören dem Exil-P.E.N. deutschsprachiger Länder 90 Mitglieder an. Präsident des Exil-P.E.N. ist seit 2006 Prof. Dr. Wolfgang Schlott von der Forschungsstelle Osteuropa an der Universität Bremen.

© Katharina Vokoun E-Mail

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