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Zweite Konferenz zum Hochwasserschutz an der Saale

Hochwasserschutzkonferenz in Jena

Rund 30 Vertreterinnen und Vertreter von Saaleanliegerstädten kamen am Donnerstag, 30. Oktober, zur zweiten Hochwasserschutz-Konferenz in Jena zusammen. Die Weißenfelser Interessen vertraten Oberbürgermeister Robby Risch und Dieter Böckler, Betreiber der Wasserkraftanlage an der Weißenfelser Herrenmühle. Vor Ort waren auch zwei Mitarbeiter des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall, der die Saalekaskade betreibt.

Frank Jauch, Leiter des Jenaer Dezernats für Finanzen, Sicherheit und Bürgerservice, legte zunächst dar, welche Schritte seit der ersten Konferenz im Juni unternommen wurden. Demnach erhielten die Saale-Anrainer bei einem Gespräch mit dem Thüringer Umweltministerium die Auskunft, dass die Eigentumsrechte für die Saaletalsperren im Wasserrecht fixiert sind und beim Energiekonzern Vattenfall liegen. Um eine Änderung zu bewirken wäre ein Planfeststellungsverfahren notwendig. „Jena hat daraufhin seine Forderungen offiziell beim Thüringer Landesverwaltungsamt vorgelegt“, so Jauch. Demzufolge verlangt die Stadt, das Rückhaltevolumen in den Talsperren von derzeit 25 Millionen Kubikmetern im Sommer und 40 Millionen Kubikmetern im Winter auf ganzjährig 80 Millionen Kubikmeter zu erhöhen.

Dieser Forderung schloss sich Robby Risch an: „Aufgrund des Klimawandels macht es keinen Sinn mehr, den Hochwasserfreiraum im Verlaufe des Jahres zu ändern. Mittlerweile stellt nicht nur die Schneeschmelze ein Hochwasserrisiko für uns dar, sondern vor allem die heftigen Sommergewitter. Die Reserven der Saalekaskaden sind dafür zu knapp bemessen.“ Die Stadt Weißenfels wolle sich in das Verfahren einbringen und Jena gegebenenfalls auch bei einem Planfeststellungsverfahren unterstützen.

Mit den Vertretern von Vattenfall wollten die Konferenzteilnehmer darüber diskutieren, wie sie beim Thema Hochwasserschutz an einem Strang ziehen können. Diese wollten aber unter Berufung auf das Kartellrecht keine Aussagen dazu treffen, wie sich eine Vergrößerung des Rückhaltevolumens auf die Wirtschaftlichkeit der Stromerzeugung auswirken würde. Stattdessen verwies René Kühne, Leiter der Produktionskoordinierung, immer wieder auf die Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie. Diese übernehme die eigentliche Steuerung der Saalekaskade. Vattenfall sei hingegen nur Befehlsempfänger.

Aus einem Altrechtebescheid von 2008 geht laut Kühne hervor, dass die Stauanlage neben dem Hochwasserschutz vor allem dem Mindestwasserschutz, der Energiegewinnung und der Naherholung diene. Für die Bleilochtalsperre sei eine Mindeststaumenge von 398 Meter über dem Meeresspiegel vorgeschrieben. Für den touristischen Betrieb liege die Zahl bei 402 Metern. „Der nun geforderte Wert liegt mit 403,6 Metern zwar noch über diesen Maßzahlen, jedoch wäre es dann ein Höchstpegel. Wir hätten dann in trockenen Perioden schneller das Mindeststauziel erreicht und dann dürfen wir kein Wasser mehr ablassen, um Energie zu gewinnen. Auch auf die Wasserqualität und die Tier- und Pflanzenwelt könnte das Auswirkungen haben“, so Kühne. Wie lange es allerdings dauere, bis der Pegel an sonnigen Tagen im Normalbetrieb (Abgabe von 6 Kubikmeter Wasser pro Sekunde) bis auf die Mindesthöhe von 398 Metern gesunken ist, wollte er den Teilnehmern nicht mitteilen.

Beim Hochwasser im Juni 2013 spielte dem Vattenfall-Mitarbeiter zufolge die Saale nur eine untergeordnete Rolle. Als Hauptverursacher machte er die Nebenflüsse der Saale und die durch eine späte Schneeschmelze gesättigten Felder aus. „Wir hatten damals auf die Hilfe der Saaletalsperren gesetzt. Als dann die Überläufe geöffnet werden mussten, war die Katastrophe unausweichlich“, sagte Risch enttäuscht. „Hätte ein Vorhalteraum von 80 Millionen Kubikmeter zur Verfügung gestanden, hätte man das Niveau länger halten können.“ Dem stimmte Jauch zu: „Mit einer Absenkung des Wasserstandes in den Staubecken von 2,5 bis 3 Metern können wir den Hochwasserschutz etwa verdoppeln.“ Um einen Beleg für derartige Aussagen in der Hand zu haben, will die Stadt Jena in den kommenden Monaten ein Gutachten in Auftrag geben, das mit konkreten Zahlen aufzeigen soll, wie wirksam ein Plus an Stauraum in den Saaletalsperren im Notfall sein kann.

© Katharina Vokoun E-Mail

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