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Hier schreibt der Oberbürgermeister

LIEBE WEISSENFELSERINNNEN, LIEBE WEISSENFELSER,

als Erstes möchte ich Ihnen an dieser Stelle schöne Ostertage wünschen. Ich hoffe, dass Sie im Kreise Ihrer Lieben eine gute Zeit verleben und sich bei einem Osterspaziergang – so es das Wetter ergibt – auch an der nun aufblühenden Natur erfreuen können.

Aber jetzt zu etwas ganz anderem: Nunmehr ist seit über vier Wochen Krieg in der Ukraine. Und ich möchte ausdrücklich allen engagierten Menschen unsere Stadt danken, die Sachen oder Geld spenden oder gespendet haben, die sich selbst zum Teil auf den Weg zu den vom Krieg Betroffenen begeben haben oder die aktuell den überwiegend ukrainischen Frauen und Kindern ein Dach über den Kopf bieten. Ich denke, wir alle hoffen auf eine baldige Einstellung der Kämpfe und damit des Krieges in der Ukraine. Womit ich allerdings zunehmend Probleme habe, ist die Art und Weise der Berichterstattung vom Kriegsgeschehen bis zu den Auswirkungen auf unser aller Leben. Und wenn ich sehe, wie in Deutschland medial Ängste geschürt werden, frage ich mich ernsthaft nach Sinn und Unsinn der Berichterstattung. Was einmal seriöse Kriegsberichterstattung war, wird heute von „War(dt. Kriegs)-Influencern“ betrieben. Mir persönlich fehlt in diesen Berichten jedwedes Verständnis für die getöteten Menschen, die erzwungene Flucht aus der Heimat, die sinnlose Zerstörung. Und da schließe ich ausdrücklich russische Soldaten, also die Söhne russischer Familien, ein. Ich persönlich bin immer noch der festen Überzeugung, dieser Krieg hätte verhindert werden können. Nicht in den letzten Wochen, denn hinter dem Geschehen stehen Prozesse und Entscheidungen seit dem Zerfall des Ostblocks vor 30 Jahren. Und doch bleibt es dabei: Konflikte sind durch Gespräche, Verhandlungen und Begegnungen beizulegen. Krieg kann niemals das Mittel der Wahl sein. Und das nicht, weil die Brüche innerhalb einer extrem vernetzten Weltwirtschaft allen teuer zu stehen kommen. Zur Kriegsberichterstattung gehört mittlerweile auch das Agieren unserer Tagespresse. Ich sehe weder eine Notwendigkeit im Bauen von Atomschutzbunkern oder der Hortung von Jodtabletten. Genauso wenig übrigens zur Tätigung von Hamsterkäufen. In Bezug auf Sonnenblumenöl fällt mir ein Gleichnis aus meinem Leben ein. Letztens habe ich meinen Haustürschlüssel gesucht. Da ich in der Wohnung war, war auch klar, dass der Schlüssel nicht weg ist. Ähnlich verhält es sich mit dem Öl (Mehl, Senf, Toilettenpapier). Es ist nicht weg. Es ist schon in den Haushalten. Und im Ernst: Sollte es, wo auch immer in Europa, zu einem Atomschlag kommen, retten uns solche Maßnahmen nicht. Unabhängig davon, dass diese Gefahr aktuell nicht besteht. Bisher hat noch kein verantwortlicher Politiker den Kriegseintritt der NATO gefordert. Und es muss uns bei aller Empathie bewusst sein, dass bereits der Versuch der Durchsetzung einer Flugverbotsszene über der Ukraine genau das bedeutet.

Interessant, dass dieser Tage Corona nur noch ein Randthema ist. Vor gar nicht so langer Zeit hat man über einen Lockdown bei einer Inzidenz von über 35 (Fällen pro 100.000 Einwohner) beraten. Heute bei Werten von +/- 2000 gibt es allenthalben Lockerungen. Wer sich schützen wollte, hat das getan. Wer nicht, lebt halt mit seinem persönlichen Risiko. Das muss man akzeptieren, da es keine Impfpflicht gibt. Ansonsten bleibt es bei jedermanns persönlicher Verantwortung, sich zu schützen. Was eine ebenfalls persönliche Abwägung einschließt, ob man am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchte oder eben auch nicht. Ich persönlich versuche im Hinblick auf die Coronapandemie mit meinen Kolleginnen und Kollegen so viel Normalität wie möglich zu garantieren. Dazu gehört leider noch ein eingeschränktes Betreten des Rathauses und anderer Einrichtungen. Ich bitte deswegen um Verständnis. Aktuell beginnt ja in unserer Stadt der Wahlkampf um meine Nachfolge. Schon komisch, wenn ich das so schreibe. Aber ich habe meine Entscheidung ja bereits vor Monaten angekündigt. Ich freue mich, dass es mittlerweile vier Kandidaten gibt, die in ihrer Gesamtheit die Stadt repräsentieren. Natürlich muss ich über manchen Flyer schmunzeln. Ich habe mich und meine Kolleginnen und Kollegen übrigens auch nie als Getriebene gesehen. Ist halt Wahlkampf. Und eines kann ich jedem Kandidaten versichern: Es wird absolutes Neuland. Andererseits vielleicht ein kleiner Trost: Das ging mir vor knapp 14 Jahren nicht anders.
Schade, dass sich in diesen Zeiten keine Frau gefunden hat, die sich zur Wahl als Oberbürgermeisterin stellt. Die so genannte „weibliche Sicht“ auf die Erfordernisse der Zeit, quasi als das wahre Familienoberhaupt unserer Zeit, wäre sicher auch wünschenswert.

Wenn in den nächsten Tagen unser Frühjahrsputz stattfindet, darf ich mich bereits heute bei allen bedanken, die daran teilnehmen. Gleichzeitig möchte ich Ihnen aber auch versichern: Wer es dieses Mal nicht schafft, aber eine gute Idee und Mitstreitende hat, um etwas zu verschönern, kann sich an unsere Stadtwirtschaft wenden. Fehlt mal ein Container, benötigen Sie Werkzeug oder auch mal eine Fuhre Kies für Ihr Projekt – in der Verwaltung finden Sie garantiert Hilfe. Versprochen.

In dem Sinne, herzliche Grüße

Robby Risch
Oberbürgermeister

(Text geschrieben am 28. März 2022)