Inhalt

Hier schreibt der Oberbürgermeister

Liebe Bürgerinnen und Bürger,

eine freudige Nachricht vorweg: Der Stadtrat hat in seinem Grundsatzbeschluss zur Ausrichtung der Bäderbetriebe in Weißenfels am 1. Februar 2024 den Weg bereitet, die Schwimmhalle in Weißenfels-West fertigzustellen. Wir waren durch die Kommunalaufsichtsbehörde des Burgenlandkreises angehalten, eine Wirtschaftlichtkeitsbetrachtung von einem unabhängigen Unternehmen durchführen zu lassen. Dem sind wir nachgekommen. Untersucht wurden unterschiedliche Parameter. Im Ergebnis wird in der Studie die Sanierung des Bestandsbaus favorisiert. Ein Neubau an anderer Stelle hätte eine Investition von etwa 35 Millionen Euro bedeutet. Um nun die Sanierung in der Karl-Hoyer-Straße fertigzustellen, werden wir etwa 7 Millionen Euro benötigen. Diese Summe war bereits in einen der zahlreichen Machbarkeitsstudien 2018 plausibel dargestellt. Wir planen, einem Hochbauingenieur der Stadtverwaltung federführend die Projektsteuerung zu übertragen. Auf diese Weise soll gemeinsam mit einer noch zu gründenden Gruppe aus Betriebsausschussmitgliedern und Fachleuten der Bau zum Abschluss geführt werden. Was die Aufarbeitung der Versäumnisse angeht, so ist die Kommunalaufsicht des Burgenlandkreises mit der Klärung beschäftigt. Ursprünglich wollte die Stadt Weißenfels einen externen Rechtsanwalt einsetzen. Stattdessen wurde die Aufsichtsbehörde aktiv. Wir erwarten die Ergebnisse und Stellungnahme in den kommenden Wochen. 

„Weißenfels, harter Kern und weiche Schale“ war das Leitthema des diesjährigen Neujahrsempfang der Stadt im Kulturhaus. Zahlreiche geladene Gäste aus der Kernstadt und den Ortschaften waren gekommen. Es war der erste Empfang seit der Pandemie. Doch warum „Weißenfels, harter Kern und weiche Schale“ als Thema? Im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat unter anderem beschlossen, dass ein weiteres Lied über Weißenfels geschrieben und vertont werden soll. Die Steinmeister-Band aus Naumburg hat sich der Aufgabe angenommen und ihr Stück beim Neujahrsempfang erstmals vor Publikum präsentiert. Der Refrain enthält folgende Zeilen: „Weißenfels, wilde Blume an der Saale, Weißenfels, harter Kern und weiche Schale; bin ich fern, ist mir klar, wie schön die Zeit mit dir zusammen war – alles Fließen dieser Welt bringt mich dir nah.“ Glauben Sie mir: Für Weißenfelser und für jene, die sich mit der Saalestadt verbunden fühlen, ist es ein Lied mit Gänsehautgarantie. Ich versuche Ihnen zeitnah dieses Lied zur Verfügung zu stellen.  

Um Ihnen einen Eindruck von einigen Inhalten meiner Neujahrsansprache zu verschaffen, werden in den folgenden Absätzen einige Fragmenten meiner Rede aufgeführt:

„Das 19. Jahrhundert stand im Zeichen der Industrialisierung. Das 20. Jahrhundert prägte die Festigung der Staaten und Länder sowie die Formung von Bündnissen. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieses Jahrhundert als das Jahrhundert der Städte hervorgehen wird. […] Deshalb ist es notwendig, sich mit den Fragen unserer Zeit intensiv auseinanderzusetzen.

Mein Eindruck verstärkt sich zunehmend, dass wir aus der Bevölkerung heraus […] auf die Informationsflut im Alltag durch das Internet und die zahlreichen Zugänge unterschiedliche Reaktionen beobachten können: Abkehr vom normalen Gespräch, Argumentationsverlust, das Zuhören scheint an Ausdauer zu verlieren und der Rückzug aus dem öffentlichen Geschehen hin in den eigenen Schutzraum scheinen nur eine Auswahl an Reaktionen zu sein, […].Es besteht eine Sehnsucht nach Entschleunigung, Ruhe, Übersichtlichkeit, Ordnung und mehr Zeit für Familie – und das über die Einkommensgrenzen und Altersklassen hinaus. Und diese Reaktionen finden Sie nicht nur bei uns, sondern sie sind Teil der globalen Gleichzeitigkeit. Denn die Welt ist enger zusammengekommen.

Die Menschheit überfordert sich durch ihren unbändigen und scheinbaren Fortschritt, der sich vor allem auf die digitale Welt fixiert. Doch Social Media – also die Facebooks dieser Welt – tragen dazu bei, dass die psychische Gesundheit leidet.

Wenn wir hier in Weißenfels einen harten, also einen stabilen Gesellschaftskern in der Zukunft haben wollen, dann werden wir jetzt darauf ein Augenmerk setzen, dass ein echtes Zusammenkommen mit Menschen ermöglicht wird und gegen Entwicklungen wie Vereinsamung positiv in unserer Stadt nach Antwort gesucht wird.

Eine Stadt mit hartem Kern:
Wo Kinder lernen, wie ihr Gegenüber mit Mimik und Gestik reagiert und so eine wirkliche Widerstandsfähigkeit für zukünftige Konfliktbewältigung entstehen kann. Dazu bedarf es Handfestes und Greifbares im Schulalltag und im Freizeitbereich. Unsere Vereine leisten hier bereits wunderbare Arbeit. Wenn unsere Wirtschaft unseren Standort prägen soll, dann habe ich die Pflicht, darauf konkret aufmerksam zu machen, dass das Fundament für Bildung nicht nur Lehrer und gutsanierte Schulgebäude sind, sondern, dass bewährte Lehrinhalte und auch das einfache Schreiben mit einem echten Stift auf einem echten Blatt Papier unverzichtbar sind. Und das nicht nur, weil Handschrift eines von vielen Beispielen ist, die zeigt, wie sehr die eigene Identität damit verknüpft ist.

Wo die Stadtverwaltung die Digitalisierung als unterstützendes Instrument für Bürgerdienste einsetzt, aber sie sich nicht in die Anonymität zurückzieht, sondern präsent durch konkrete Mitarbeiter bleibt und ansprechbar für die Bürger ist.

Wo die Kommune mit den gewählten Räten gemeinsam mit dem Oberbürgermeister vor Ort selber entscheiden, welche Projekte und Vorhaben sie in welchen Zeiträumen verwirklichen können und wollen. Und nicht durch Förderrichtlinien die Zeiträume und Inhalte vorgeschrieben bekommen. Zu oft erlebe ich in meinem Alltag, dass mit Förderungen Antworten auf die Fragen unserer Zeit gegeben werden, die unsere Bürger nicht haben. Im Moment obsiegt das Windhundprinzip: Der Schnellste im Land gewinnt. Dieser Weg wird sich ändern müssen. Die kommunale Selbstverwaltung benötigt eine Stärkung ihrer Substanz. Die Stadt muss als Kern des konkreten Zusammenlebens vor Ort begriffen und gestärkt werden. Eng verwoben damit ist das Subsidiaritätsprinzip: das geht nur in den Städten und in den Dörfern und nicht in übergeordneten Verwaltungsebenen, die uns allen sehr viel Zeit und Geld kosten. Deshalb bleibe ich dabei: dass dieses Jahrhundert als das Jahrhundert der Städte hervorgehen wird.“

Soweit mein kleiner Rückblick auf die Geschehnisse der vergangenen Wochen. In den kommenden Tagen gehen wir mit dem geplanten Haushalt 2024 in die Ausschüsse. Vorgesehen ist, dass die Stadt Weißenfels nach dem Haushaltsbeschluss im März einen ausgeglichenen Haushalt der Kommunalaufsichtsbehörde des Burgenlandkreises zur Genehmigung vorgelegen kann.

Bevor ich mich nun verabschiede, möchte ich die Gelegenheit nutzen, allen Karnevalsvereinen unserer Stadt für die großartigen Veranstaltungen der vergangenen Tage und Wochen zu danken. Leider konnte ich nicht an allen Veranstaltungen teilnehmen, aber wir sehen uns in den kommenden Jahren – versprochen!

Herzliche Grüße

Martin Papke
Oberbürgermeister der Stadt Weißenfels


(geschrieben am 13. Februar 2024)