Rote Bank zieht nach Reichardtswerben
Mit der Roten Bank setzt die Stadt Weißenfels seit einigen Jahren ein Zeichen gegen Gewalt an Mädchen und Frauen. Eine Rote Bank steht seit November 2021 am Marktplatz. Eine weitere Rote Bank wurde im Juni 2024 in Tagewerben aufgestellt. Sie wird künftig innerhalb der Weißenfelser Ortschaften regelmäßig den Standort wechseln. Das geschah nun zum ersten Mal. So zog die Rote Bank am 5. März 2026 nach Reichardtswerben um. In der Ortschaft steht sie nahe der Luthersäule, an der Ecke zwischen Ernst-Thälmann-Straße und Rudolf-Breitscheid-Straße. Der Umzug der Roten Bank läutet den Frauenmonat in Weißenfels ein, der mit einem umfangreichen Programm anlässlich des Internationalen Frauentags stattfindet.
Die Aktion „Rote Bank“ wird organisiert vom Frauenarbeitskreis Weißenfels, der städtischen Gleichstellungsbeauftragten und der Stadt Weißenfels in Zusammenarbeit mit den Ortschaftsräten. Zur feierlichen Übergabe in Reichardtswerben waren etwa 30 Gäste vor Ort. Begrüßt wurden sie von Oberbürgermeister Martin Papke, der sich sehr darüber freute, dass die Rote Bank als Symbol für ein friedliches Miteinander so gut von den Ortschaften angenommen und damit der Einsatz gegen Gewalt in der Gesellschaft unterstützt wird. An der Veranstaltung nahmen auch die Ortsbürgermeisterin von Tagewerben Ines Veith und der Ortsbürgermeister von Reichardtswerben Karsten Uhle teil. Ines Veith hatte eine Überraschung im Gepäck: Extra für den Umzug hatte sie eine Miniaturausgabe der Roten Bank anfertigen lassen, die sie an Karsten Uhle überreichte.
Durch das anschließende Programm führte Sabine Manschatz vom Frauenarbeitskreis. Auch weitere Mitglieder des Arbeitskreises trugen zur Gestaltung des Nachmittags bei. So hatte Iris Panzer Origami-Kraniche als Symbol des Friedens gebastelt. Dorothea Hesse-Swikle trug zusammen mit den Landfrauen von Reichardtswerben das Gedicht „Noch immer“ vor, das Gewalt an Frauen thematisiert. Für Dorothea Hesse-Swikle sind damit eigene Erinnerungen verbunden, denn sie selbst hat viele Jahre häusliche Gewalt erfahren. Ihre Erlebnisse hat sie in dem Buch „Narben erinnern mich an das Erlebte aber sie definieren nicht meine Zukunft“ niedergeschrieben, welches sie im Rahmen des diesjährigen Frauenmonats am 27. März 2026, um 18:30 Uhr in der Brand-Sanierung in der Novalisstraße 13 vorstellen wird.
Mit Redebeiträgen beteiligten sich zudem die Leiterin des Frauenhauses in Weißenfels Birgit Peterz und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Weißenfels Katja Henze. Birgit Peterz berichtete von der Arbeit des Frauenhauses und informierte über Unterstützungssysteme für Frauen, die von Gewalt betroffen sind. Neben dem Hilfetelefon für Frauen (Nummer: 116 016) gibt es im Frauenhaus selbst ebenfalls ein Beratungsangebot, das auch Nicht-Bewohnerinnen nutzen können (Kontakt: 03443 802647, info@frauenhaus-weissenfels.de ). Katja Henze nahm Bezug zum neuen Standort der Roten Bank, der „Luthersäule“ und deren Namensgeber Martin Luther. Dieser lebte im späten Mittelalter, das stark patriarchal geprägt war. Katja Henze betonte, dass Martin Luther als Kind seiner Zeit kein Förderer von Frauen war. Trotzdem hätte seine Reformation der Kirche einigen mutigen Frauen die Möglichkeit gegeben, Ehe und Partnerschaft neu zu definieren und innerhalb der Familie erste Grundsteine für Frauen- und Kinderrechte zu legen. Als Beispiele nannte sie Katharina von Bora (Ehefrau von Martin Luther), Ottilie von Gersen (Ehefrau von Thomas Müntzer) und Anna Reinhardt (Ehefrau von Ulrich Zwingli). Den Abschluss der Veranstaltung bildete die Weißenfelser Sängerin Ramona Wolter, die das Lied „Mut“ vortrug.
Weißenfels war im November 2021 die erste Stadt in Sachsen-Anhalt, in der eine Rote Bank aufgestellt wurde. Mit den symbolträchtigen Bänken auf dem Marktplatz und in den Ortschaften beteiligt sich die Saalestadt an der weltweiten Initiative „La Panchina Rossa“, die im Jahr 2014 in Italien ihren Anfang nahm. Mit der Roten Bank wird ein Zeichen gesetzt: Kein Platz für Gewalt an Mädchen und Frauen.