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Städtepartner aus Kornwestheim informieren über Islam in Deutschland

Hümeyra und Selçuk Aydin vom türkisch-islamischen Kulturverein Kornwestheim berichteten bei einem Themenabend über die Vielfalt des Lebens von Muslimen in Deutschland.

Mitglieder des türkisch-islamischen Kulturvereins der Partnerstadt Kornwestheim und Amtskollegin Ursula Keck begrüßte Oberbürgermeister Robby Risch am Freitag, 4. März 2016, in Weißenfels. Er selbst hatte sie im vergangenen Jahr nach einem Besuch in der Ayasofya Moschee Kornwestheim in die Saalestadt eingeladen, damit sie über die Vielfalt des Lebens von Muslimen in Deutschland berichten und auf diese Weise zum kulturellen Austausch beitragen. Für die Bürgerinnen und Bürger veranstalteten die Städtepartner den Themenabend „Islam in Deutschland“. Mehr als 30 Gäste waren der Einladung ins Fürstenhaus gefolgt.

Aus ihrem Alltag berichteten Hümeyra und Selçuk Aydin. Das Ehepaar engagiert sich seit 16 Jahren im türkisch-islamischen Kulturverein Kornwestheim. Als praktizierende Muslime beten sie fünf Mal am Tag, essen kein Schweinefleisch, trinken keinen Alkohol, bezahlen eine Armensteuer und halten die Fastenzeiten im Monat Ramadan ein. Der 40-jährige Selçuk Aydin ist türkischer Staatsbürger und als Industriebuchbindermeister tätig. Seine 38-jährige Ehefrau hat die deutsche Staatsbürgerschaft und arbeitet als Arzthelferin in einer Praxis. Zum Themenabend trägt sie Kopftuch und Kaftan (ein langes, weites Gewand). „Wenn die Leute mich sehen, könnten sie denken, ich sei überhaupt nicht integriert. Aber wer mich kennenlernt, merkt schnell, dass ich sehr gut in die deutsche Gesellschaft integriert bin. Ich spreche Deutsch, habe einen Job, nehme am gesellschaftlichen Leben teil und engagiere mich ehrenamtlich für meine Stadt“, sagte Hümeyra Aydin.

Dies habe sie auch ihren Eltern zu verdanken. Die hätten vor fünfzig Jahren vor ähnlichen Problemen gestanden wie die Flüchtlinge heute. „Sie waren Fremde, mussten Deutsch lernen und wollten doch ihren Glauben und ihre Traditionen nicht aufgeben.“ Mit ihren Entscheidungen und ihrem Verhalten hat die Elterngeneration laut Aydin den Grundstein für das heutige Leben der Muslime in Deutschland gelegt. Dieses sei jedoch so unterschiedlich, dass sich schwerlich von einem einheitlichen „Islam in Deutschland“  sprechen lasse. „Es gibt Muslime, die streng nach den Regeln des Korans leben. Andere picken sich einzelne Glaubenssätze heraus und wieder andere gehen nur an den großen Feiertagen in die Moschee.“

Hümeyra Aydin und ihr Ehemann erziehen ihre 14 Jahre alte Tochter und ihren sechs Jahre alten Sohn nach islamischen Glauben. Den Gästen des Themenabends gaben sie Einblicke in das Familienleben, zeigen Fotos von der Pilgerfahrt nach Mekka oder vom Fastenbrechen in Kornwestheim. Sie berichteten vom Austausch mit der katholischen Gemeinde in Kornwestheim und präsentierten Bilder der gemeinsamen Fahrt nach Rom. Aber auch von den alltäglichen Schwierigkeiten, die das Leben zwischen zwei Kulturen mit sich bringt, erzählte das Ehepaar. So sei es in Deutschland nicht leicht, mit Kopftuch einen Job zu finden und Kleiderordnungen wie beispielsweise im Schwimmunterricht wären theoretisch mit dem Koran nicht vereinbar. Wichtigstes Prinzip in diesen Situationen sei der kulturelle Austausch. Nur wer miteinander ins Gespräch kommt, könne Intentionen, Wünsche und Bedenken des anderen verstehen.

Mit knapp zehn Prozent hat Weißenfels im Vergleich zu anderen Städten in der Region einen recht hohen Ausländeranteil. Bisher prägten vor allem polnische Mitbürger das Stadtbild. Mit der vermehrten Aufnahme von Flüchtlingen aus dem arabischen Raum nimmt aber auch der Kontakt zu Menschen islamischen Glaubens zu. Die Partnerstadt Kornwestheim, die einen ähnlich hohen Ausländeranteil aufweist, verfügt hingegen seit gut fünfzig Jahren über eine große türkisch-islamische Gemeinde, die von den ehemaligen türkischen Gastarbeitern und deren Nachkommen geprägt ist. Der islamische Glaube wurde über die Jahrzehnte hinweg in die heimische Kultur integriert.

© Katharina Vokoun E-Mail

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